• vom 20.01.2018, 10:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 20.01.2018, 10:16 Uhr

Till Brönner

Neue Wege auf dunklen Straßen




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Von Christoph Irrgeher

  • Der Trompeter Till Brönner über sein Album "Nightfall", Musik fürs Auto und das Streaming-Geschäft.

"Die Künstler nehmen weniger Geld mit nach Hause" , sagt Brönner über das Streaming-Zeitalter - und wünscht Newcomern viel Glück auf dem Weg zu einem einträglichen Live-Geschäft.

"Die Künstler nehmen weniger Geld mit nach Hause" , sagt Brönner über das Streaming-Zeitalter - und wünscht Newcomern viel Glück auf dem Weg zu einem einträglichen Live-Geschäft.© Chris Noltekuhlmann "Die Künstler nehmen weniger Geld mit nach Hause" , sagt Brönner über das Streaming-Zeitalter - und wünscht Newcomern viel Glück auf dem Weg zu einem einträglichen Live-Geschäft.© Chris Noltekuhlmann

Kaum ein deutscher Jazzer ist dermaßen erfolgreich wie der Trompeter Till Brönner, kaum einer polarisiert so sehr: Verehren ihn die einen als sanften Meisterstilisten mit Hang zu Funk und Groove, gilt er anderen als Oberflächendekorateur. Im Interview spricht der 46-Jährige über sein ungewöhnliches Album "Nightfall", das nächste Woche bei Sony erscheint, und den Wandel in der Musikindustrie.

"Wiener Zeitung":Was macht die Schauspielerin Lisa Tomaschewsky auf dem Cover Ihrer CD? An sich hört man auf "Nightfall" nur Sie und den Bassisten Dieter Ilg.


Till Brönner:Das war Zufall. Geplant war, dass Dieter und ich vorne drauf sind. Aber wir hatten bei jedem Entwurf das Gefühl, er sieht zu erwartbar aus. Irgendwann zeigte mir Dieter das Bild einer hübschen Frau und fragte, ob wir nicht so was machen können. Das hätte auch historische Bezüge: Schon Horace Silver hat manchmal eine schöne Frau aufs Cover gebracht. Da ich leidenschaftlich fotografiere, durchsuchte ich mein Archiv und fand ein Bild aus einer Session mit Lisa Tomaschewsky, auf dem sie mit geschlossenen Augen beim Schminken sitzt. Ich finde, das repräsentiert den Einbruch der Dunkelheit gut.

Eine CD nur mit Bass und Solo-Bläser: Hat Sie die Reduktion gereizt?

Ja. Im Zentrum stand der spontane Dialog. Ein Akkordinstrument nimmt einem da ein bisschen die Freiheit. Das Klangbild erinnert an ein Foto, aus dem man die Farbe rausgedreht hat, an eine Straße ohne Beleuchtung. Man spürt die Entstehungszeit der Stücke nicht, darum konnten wir Musik aus verschiedenen Jahrhunderten wählen.

Man kennt Sie für füllige Klangbilder. Ist das jetzt nicht ungewöhnlich?

Statistisch durchaus. Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen meinen CDs und dem, was ich auf der Bühne mache. Und live habe ich seit längerem ein diebisches Vergnügen daran, in reduzierten und unkonventionellen Besetzungen zu spielen - ganz im Gegensatz zu dem, was mir manche seit meinen frühen Jahren nachsagen, nämlich, dass ich gefallsüchtig sei und nur an der Oberfläche kratze. Was ich live tue, erfährt aber natürlich weniger Verbreitung als meine Alben, und so kann schon der Eindruck entstehen, ich konzentriere mich auf möglichst großen Erfolg. Ich habe aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich dafür interessiere, ob meine CDs jemanden erreichen.

Sie begrüßen es auch, wenn man Ihre Musik im Hintergrund hört, beim Autofahren oder Essen . . .

Ich glaube, ich bin da schlicht ehrlicher als einige meiner Kollegen. Ich will nicht in Abrede stellen, dass sich genug Menschen Jazz um seiner selbst willen zu Gemüte führen. Ich denke aber, dass man Musik im Allgemeinen eher anlassbezogen hört. Wir wollen, dass ihr emotionaler Aspekt etwas mit uns tut, wir möchten uns von einem Zustand in einen anderen versetzen lassen. Musik kann einen durchaus therapeutischen Aspekt haben.

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Dokument erstellt am 2018-01-19 16:17:09
Letzte Änderung am 2018-01-20 10:16:13



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