• vom 05.02.2018, 13:12 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 05.02.2018, 19:26 Uhr

Konzertkritik

Worauf heute noch Verlass ist




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Von Andreas Rauschal

  • Depeche Mode begeistert in der ausverkauften Wiener Stadthalle.



Fit-strizzihaft: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan in Aktion.

Fit-strizzihaft: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan in Aktion.© apa/H. P. Oczeret Fit-strizzihaft: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan in Aktion.© apa/H. P. Oczeret

Feste Gewohnheiten sind eine tolle Erfindung. Sie strukturieren den Tagesablauf, sie geben Sicherheit, sie sorgen dafür, dass wir uns zurechtfinden im Leben. Wichtig immer nur: Dazwischenkommen darf nichts! Ist das Frühstück nicht um 7 Uhr 54 verputzt - und erwischen wir deshalb den 8-Uhr-Bus nicht -, dann, ja dann haben wir ein Problem!

Der Stammtisch am ersten Dienstag des Monats, samt fixer Sitzordnung? So viel ist sicher. Österreich als System, der Ablauf der Sonnntagsmesse, ein Nuller im Lotto? Wie gehabt. Natürlich, und da fährt jetzt der Zug drüber, erklärt uns Niki Lauda im Fernsehen auch heute die Welt. Und vermutlich ist man in einer schnelllebigen Zeit der raschen Umbrüche beinahe froh, wenn zumindest noch auf irgendetwas Verlass ist.

Information

Pop-Konzert
Depeche Mode
Global Spirit Tour
Wiener Stadthalle

Kukidentlächeln

Am Sonntagabend demonstrieren es auch Depeche Mode in der verlässlich ausverkauften Wiener Stadthalle und ihr erwartungsgemäß begeistertes Publikum: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Würde er sonst auf ein Konzert gehen, dessen Setlist er sich spätestens seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre weit im Vorhinein ausmalen kann? "Personal Jesus"? Selbstverständlich! "Never Let Me Down Again"? Jawoll! "Walking In My Shoes"? Niemals ohne. "World In My Eyes"? Man kennt die Antwort bereits. Dazu natürlich "Enjoy The Silence", "A Question Of Time" und "Stripped": Wir wünschen, Depeche Mode spielen, und selbstverständlich wird es den Soulsisters und Soulbrothers im Publikum auch diesmal eine sehr große Freude sein.

So geschmiert-vorhersehbar in lange perfektionierter Routine das Werkl alle vier Jahre live auch in deiner Stadt läuft: Dieses Mal hier in Vienna, Austria, hätten uns Depeche Mode fast überrascht. Zum Start der aktuellen Ochsentour gab es im Vorjahr nicht nur Material aus dem neuen und erstaunlicherweise politischen Album "Spirit", auf dem Depeche Mode das Ausbleiben der Revolution beklagen, dem sie in ihrer Veränderungsresistenz gewissermaßen selbst zuarbeiten, sondern auch Preziosen wie "Corrupt" in einer hübschen Live-Version oder eine Hommage an David Bowie mit einem Cover von "Heroes".

Das alles fiel zugunsten von Bewährterem in der Zwischenzeit zwar dem Rotstift zum Opfer. Dafür gibt es eine von Chef-Songwriter Martin Gore vor und nach viel strahleweißem Kukidentlächeln auf der Videowall zu Klavierbegleitung aufgeführte Akustikversion von "Insight", die in einer Art Schwerpunktprogramm gemeinsam mit "Barrel Of A Gun", "It’s No Good" oder "Useless" dem unterschätzten Meisterwerk "Ultra" späte Gerechtigkeit widerfahren lässt.




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Dokument erstellt am 2018-02-05 13:17:16
Letzte Änderung am 2018-02-05 19:26:13



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