• vom 25.02.2018, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Wohlklang ohne Reue




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Von Heimo Mürzl

  • US-Songwriter S. Carey erweist sich als Meister des gravitätischen Folksongs.



Der aus Wisconsin stammende Songwriter S. Carey macht Musik für Menschen, denen purer Wohlklang, eine offen zur Schau getragene Gefühligkeit und ein verträumter Grundgestus nicht fremd sind. S. Carey war jahrelang mit Justin Vernon alias Bon Iver unterwegs und agierte in dessen Tourband als Schlagzeuger, an den Keyboards und als Backgroundsänger. Das hat seiner Solokarriere sicher nicht geschadet und zeigt sich in einer ästhetischen Verwandtschaft.

Die Freude an Harmonien, die feinfühligen Arrangements, die Nähe zum intimen, kammermusikalischen Folk verbindet die Musiker zweifellos. S. Carey ist inzwischen im neuen Folk gut etabliert und erweist sich auf seinem dritten Album als virtuoser und geschmackssicherer Meister des gravitätischen Folksongs. Wie alle begabten Musiker, die Traditionen pflegen, komprimiert er das Beste seines Lieblingsgenres und schafft so stilvoll-zeitlose Kunst.

Information

S. Carey
Hundred Acres
(Jagjaguwar/Cargo)

Mit einer betörenden Mischung aus traditionellem Songwriting, ausgeklügelten Arrangements und viel Herzblut in der sanften Stimme sichert sich der Musiker seinen Platz im Segment des gefühlvollen, aber hochwertigen Erwachsenenpop. Die in diesem Fach drohenden Klischeefallen umschifft er gekonnt, obwohl man ihm ein Händchen für Harmonieseligkeit nicht absprechen kann. S. Carey setzt betontermaßen auf Schönheit und Melodie und jeder der zehn Songs auf "Hundred Acres" funktioniert als kunstvolles Kleinod, das nichts anderes will, als bei der Hörerschaft (positive) Gefühle auszulösen.

Deshalb ist es auch müßig, den US-Musiker als Träumer abzutun. In seinen Songs scheint es keinen Platz für aufgesetzte Koketterie oder falsche Gefühle zu geben und so kann man sich dem verführerischen Reiz seiner Klänge auch nicht entziehen. Gitarre, Pedal Steel und Streicher dominieren das Klangbild, während sich Schlagzeug und Synthesizer dezent im Hintergrund halten. Auch wenn sich so mancher Geschmackssnob bei dieser Fülle an Wohlklang naserümpfend abwenden wird - Songs wie "Fool’s Gold", "More I See" oder das Titelstück verstehen in ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit zu gefallen und zu berühren.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-22 16:32:34
Letzte Änderung am 2018-02-22 17:05:39



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