• vom 02.04.2018, 08:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Medien

Sex, Drugs und der "Rolling Stone"




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Von Alexander Kluy

  • Joe Hagans Buch"Sticky Fingers" beleuchtet das berühmte Musikmagazin und dessen Gründer Jann Wenner - und liefert eine Kulturgeschichte der USA.



Jann Wenner (rechts) im Jahr 2007 mit Mick Jagger.

Jann Wenner (rechts) im Jahr 2007 mit Mick Jagger.© Kevin Mazur/WireImage for Atlantic Records Jann Wenner (rechts) im Jahr 2007 mit Mick Jagger.© Kevin Mazur/WireImage for Atlantic Records

Im vergangenen Spätherbst verstrich ein global einschneidendes Jubiläum hierzulande nahezu unbemerkt. 50 Jahre alt wurde damals ein Magazin, das die Popkultur nicht nur begleitete, sondern prägte und in weiten Teilen miterfand. Und das in sich Musikgeschichte einkapselte, von den Grateful Dead und Bob Dylan über die Rolling Stones, Bruce Springsteen oder U2 bis zu Lorde.

Am 9. November des Jahres 1967 erschien in San Francisco die allererste Nummer des Magazins "Rolling Stone". Gründer, Herausgeber, Chefredakteur, Eigentümer und intellektueller Wirbelwind war ein 21-Jähriger, der von Musik kaum Ahnung hatte. Sein Name: Jann Wenner, 1,71 Meter klein, pummelig, bis zum Anschlag energiegeladen.

Der hyperaktiv sich selbst antreibende Wenner, der nach einer lieblosen Kindheit seinem Vornamen ein zweites "n" anhängte, war von Anbeginn ein ausgefuchster Geschäftsmann. Das demonstrierte er auch mit dem Extra, das in der Anfangsphase mit jedem Magazin-Abo einherging - gratis gab es einen "Roach Clip" dazu, eine Klammer zum Halten fast aufgerauchter Joints.

Rasche Distanzierung

Joe Hagan, Reporter beim "New York Magazine", macht nun in "Sticky Fingers", seiner ausgreifenden, mit zahllosen herrlichen Anekdoten und Sagern gespickten Doppelbiografie, deutlich: Wenner war alles außer originell. Es gab nämlich im Sommer 1967 in San Francisco eine andere, kurzlebige Zeitschrift, "Sunday Ramparts", bei der er selbst mitgearbeitet hatte.

Als dieses Magazin einging, recyclete es Wenner kurzerhand, ja, er nutzte dasselbe Format, dasselbe Design und Layout, das etwas trocken war im Vergleich mit anderen psychedelischen Pop-Postillen. Aber genau der Umstand, dass es etwa feine typografische Trennlinien gab und alles gut lesbar war, machte den kommerziellen Erfolg aus.

Dass Wenner mit Auslieferung von "Sticky Fingers" sich umgehend von Joe Hagan distanzierte, dem er zuvor Zugang zu allen seinen Materialien und Unterlagen eingeräumt hatte - zugleich schaffte es Hagan, der insgesamt 235 Menschen interviewte, ein "unautorisiertes" Buch zu schreiben, eines also, bei dem nicht vor Drucklegung seitens des Porträtierten vorzensurierend eingegriffen wurde -, verwundert kaum. Liest man doch schon in der Einleitung folgende Einschätzung: "Wenner ist ein zutiefst narzisstischer Mensch, für den die ultimative Bestätigung seiner Existenz in der Berühmtheit liegt.

Einmal wollte Jann Wenner sogar Präsident werden. Seiner Exfrau Jane zufolge fehlte ihm das "Was wäre wenn"-Gen. Seit seiner Kindheit hortete er zwanghaft jedes Dokument über sein Leben, seien es Zeitungsausschnitte, Briefe, Briefentwürfe, Umschläge, Kontoauszüge oder Fotos, weil er davon überzeugt war, eines Tages wichtig zu sein. Nie schien es ihm in den Sinn zu kommen, dass der ‚Rolling Stone‘ auch scheitern könnte. Warum sollte er auch?"




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-30 12:51:04
Letzte Änderung am 2018-03-30 13:24:27



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