• vom 07.04.2018, 16:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop

Wandel mit Widerhall




  • Artikel
  • Lesenswert (22)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bruno Jaschke

  • Ferdinand Sarnitz alias Left Boy vertraut auf seinem zweiten, "Ferdinand" betitelten Album weniger der Technologie und mehr den Gitarren.



Treibt jetzt die Rocksau durchs Dorf: Left Boy.

Treibt jetzt die Rocksau durchs Dorf: Left Boy.© Maïté Kalita Treibt jetzt die Rocksau durchs Dorf: Left Boy.© Maïté Kalita

Weltberühmt zu sein in Wien war keine Option. Die lautete vielmehr: weltberühmt zu sein in der Welt. So zog Ferdinand Sarnitz, der sich Left Boy nennt, mit 18 Jahren nach New York, um eine Musikerkarriere in die Gänge zu kriegen. Er werde dort, so stellte sich der kleine Ferdl das vor, einen hochkarätigen kreativen Freundeskreis finden, von Def Jam unter Vertrag genommen werden, mit Kanye West arbeiten.

Stattdessen hing er einsam in seinem Zimmer in Manhattan ab und verbrachte seine Zeit mit Videospielen und Kiffen. Weil es so nicht weitergehen konnte, kehrte er nach Wien zurück, arbeitete ein Jahr hart an sich, um mit einem Fundus an Songs und Videos ein zweites Mal den großen Teich zu überqueren und neuerlich zum globalen Eroberungsfeldzug anzusetzen. Sein wichtigster Helfer dabei war (und ist noch immer) das Internet - aktuell verzeichnet Left Boy knapp 205.000 Facebook-Fans, 18.000 Twitter-Follower und weit über 20 Millionen YouTube-Aufrufe. Und diesmal klopften viele große Plattenfirmen - wenn auch nicht Def Jam - an. Warner Music erhielt (für Mitteleuropa) den Zuschlag.

Gewollt geschmacklos

Der Erfolg seines Debütalbums "Permanent Midnight" von 2014 beschränkte sich allerdings auf die DACH-Region (Platz 3 in Österreich, 16 in Deutschland, 38 in der Schweiz). Und dass sich die große weite Welt noch nicht ganz reif für Left Boy zeigte, wurde mancherorts durchaus nicht ohne heimliche oder auch unheimliche Schadenfreude zur Kenntnis genommen. Denn irgendwann musste es ja rauskommen, dass der heute 29-Jährige der Sohn André Hellers und der Fotografin Sabina Sarnitz ist. Dass "der Poet" die Karriere seines Filius möglicherweise auch ein bisserl mit Interventionen in Schwung bringen wollte, hatte denn auch eine göttlich absurde Facebook-Kontroverse zweiter österreichischer Musikkritiker zur Folge.

Information

Left Boy
Ferdinand
(Warner Music)

Dass Sarnitz Interviews eine Zeitlang nur auf Englisch gab und diese, wie sich mehrere Musikmagazine beschwerten, "kaputtautorisierte", passte perfekt ins Bild eines prätentiösen, zickigen Promi-Vater-Söhnchens. Wer will sich eine gute Geschichte schon von Fakten zerstören lassen und durch Recherche draufkommen müssen, dass sich hinter der Figur Left Boy ein grundsympathischer, hart arbeitender, überlegter junger Mann verbirgt, der jeden seiner Karriereschritte genau kalkuliert und daher auch darauf achtet, was über ihn und von ihm kommuniziert wird; der als Absolvent einer amerikanischen Schule und Bewohner der Stadt New York eben eher in der englischen Sprache zu Hause ist; und der übrigens gerade erst als offensichtlichen Aprilscherz einen auf deutsch gerappten Song mit dem Titel "Cash is fesch" und einem Video von erlesener (gewollter) Geschmacklosigkeit in den sozialen Medien geteilt hat.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-04-05 16:15:02
Letzte Änderung am 2018-04-05 16:25:03



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Krisengebiet Mann
  2. Das Fürchten nicht gelernt
  3. rätsel
  4. Der Twist in einer toten Karriere
  5. Dem Vergessen entgegenwirken
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
  3. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  4. Roman unter Wahrheitspflicht
  5. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte


Quiz


Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung