• vom 06.04.2018, 18:30 Uhr

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Von Andreas Rauschal

  • Der französischen Sängerin Françoise Hardy gelingt mit "Personne d’autre" ein überzeugendes Spätwerk.



Mit mildem Blick: Françoise Hardy ist wieder da.

Mit mildem Blick: Françoise Hardy ist wieder da.© Benoit Peverelli Mit mildem Blick: Françoise Hardy ist wieder da.© Benoit Peverelli

Sympathisch gewesen sein dürfte Françoise Hardy immer auch einem Publikum, das sich selbst eher nicht als Chanson-Zielgruppe definierte. Einerseits empfand die am 17. Jänner des Jahres 1944 in Paris geborene und dort bei weitgehender Absenz des Vaters gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Michèle im neunten Arrondissement aufgewachsene Musikerin frühe via Radio aufgesogene Popsongs als einflussreicher für ihr eigenes Schaffen als das klassische französische Chanson und seine wichtigsten Vertreter.

Information

Françoise Hardy
Personne d’autre
(Warner Music)

Andererseits lag es nicht zuletzt an der Ausstrahlung und (Karriere-)Haltung der Sängerin, die ihr neben Sympathien auch Respekt einbringen sollte. Als angehimmelte Schönheit mit baldigen Model-Jobs und Schauspielrollen gab Françoise Hardy lieber die Melancholikerin, die sie auch privat war, und setzte auf Karriere mit einer gewissen Schwere, anstatt sich einen auf Leichtigkeit gepolten Zugang zum Leben erst mühsam anzutrainieren.

Durchbruch als Fluch

Besser noch: Hardy zeigte sich unbeeindruckt von Avancen und Komplimenten prominenter Zeitgenossen von Mick Jagger bis Bob Dylan. Und sie betrachtete sich und ihr Schaffen - das ist gerade in gegenwärtigen Zeiten der boomenden Egos und weitgehend unbegründeten Social-Media-Selbstüberzeugtheit interessant - skeptisch und kritisch hinterfragend bis an den Rand der Selbstgeißelung. Dass sie das Modell "Ruhm" nicht verstanden hat und ihr öffentliches Ansehen schlicht lästig war (und ist), daraus hat Françoise Hardy ohnehin nie ein Geheimnis gemacht.

Vor diesem Hintergrund war es auch eher Fluch als Segen, dass ihr der Durchbruch im großen Stil bereits am Anfang ihrer Laufbahn gelang. Und dies auf ungeahnte Weise: Für ihre Single "Oh oh chéri" wurde eigens das Autorenteam von Johnny Hallyday engagiert, doch zum großen Hit wurde ausgerechnet die von Hardy selbst geschriebene B-Seite "Tous les garçons et les filles". Der Grundstein für eine Karriere im damals angesagten Stil des Yé-yé-Pop war gelegt.

Früher Live-Ruhestand

Als weiteres Verkaufsargument über die Landesgrenzen hinaus wollte Hardys Plattenfirma dazu Aufnahmen in zahlreichen Sprachen ins Feld führen, was kommerziell auch gelang. Allerdings durchkreuzte die Sängerin die Absichten einschlägiger Promo-Events mit der Aussage, das Label hätte sie zu diesen Einspielungen genötigt. Vor allem deutschsprachige Songs wie "Ich steige dir aufs Dach" von 1963 sind Françoise Hardy bis heute verhasst. Jahrelang stemmte sie sich gegen Wiederveröffentlichungen ihres Frühwerks, dem sie mit einem selbstbetitelten Album von 1968 und darauf gebotenen Coverversionen von etwa auch Leonard Cohen entfloh. Spätestens mit dem Album "La question" galt Hardy im Jahr 1971 zwar endlich als ernstzunehmende (und von sich selbst ernstgenommene) Interpretin, allerdings war sie damals als Live-Act bereits in den vorzeitigen Ruhestand getreten, der ihrer auch mit Bühnenangst einhergehenden Schüchternheit geschuldet war.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 15:48:04
Letzte Änderung am 2018-04-06 16:01:39



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