• vom 15.04.2018, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Expedition in offene Rhythmusräume




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Von Andreas Walker

  • PTTRNS und ihr mit Andreas Spechtl produziertes Album "Material und Geschichte".



RLYR, SBTRKT oder PTTRNS: Der Verzicht auf Vokale bei Bandnamen ist derzeit en vogue. Vielleicht soll dieser Verzicht im letztgenannten Fall die Aufmerksamkeit auf die Vocals lenken, die von Mustern und Formen, von sich wiederholenden Elementen und verschiebenden Phasen, von Patterns also, getragen werden.

Information

PTTRNS
Material und Geschichte
(Altin Village & Mine)

Nennt man dann ein Album auch noch "Material und Geschichte", ein Titel, der so deutsch ist wie (die Bandnamen) Mutter und Blumfeld, ist der Weg zur Musik mit einer Bedeutungsschwere gesäumt, die den akustischen Wanderer schon vor dem Hören ermüden könnte. Doch anders als es der akademische Titel des Albums vermuten ließe, wird die Schwere ("Heal our wounds. Not as a metaphor", wie es in "Second Ethics" heißt) gleich zu Beginn von einer luftigen Leichtigkeit des Sounds aufgehoben - ein erster Bruch mit der Erwartungshaltung. "Armado" präsentiert sich im Anschluss fast als sommerlicher Smash-Hit. Im Modus des Andeutens wagen die Texte einen Versuch, das politische Lied in die Zukunft zu retten, ohne jedoch der Agitation zu verfallen.

Benjamin Riedl, Daniel Mertens und Patrick Hohlweck gründeten PTTRNS im Jahr 2006; etwas später stieß Hendrik Frese hinzu. Anfänglich beeinflusst von Post- und Mathrock, schlichen sich mehr und mehr experimentelle Elemente in die Musik des Kölner Quartetts, die rhythmischen Strukturen wurden weiter und exotischer. Fünf Jahre hat es seit "Body Pressure" gedauert, ehe nun das neue Album das Licht der Welt erblickt.

PTTRNS treten als Kollektiv auf, bei dem die Gesangsstimmen wechseln, die über die Klänge streichen. Für "Material und Geschichte" hat die Band ihren Formenreichtum mit Rabea Erradi (Saxofon), Sonja Deffner (Klarinette und Gesang) und Andreas Spechtl (Gitarre und Gesang), der das Album auch mitproduziert hat, erweitert. Die ornamentale Architektur aus Funk, Elektropop, Jazz und Dub orientiert sich zwar an tanzbaren Rhythmen, ohne aber selbst als Tanzmusik aufzugehen - der zweite Bruch mit der Erwartungshaltung. Vielmehr laden PTTRNS zur auditiven Expedition in offene Rhythmusräume.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-12 16:45:17
Letzte Änderung am 2018-04-12 17:28:35



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