• vom 15.04.2018, 07:30 Uhr

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Hinter der Schiller-Brille




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Von Christina Böck

  • Kommerz und Country: Zwei Cover-Alben feiern die Hits von Elton John und Bernie Taupin.


© Virgin/EMI © Virgin/EMI

Es ist eine so berühmte wie ungewöhnliche Zusammenarbeit. Elton John und sein Textschreiber Bernie Taupin arbeiten seit Jahrzehnten zusammen - aber nie gemeinsam in einem Zimmer. Taupin schreibt seine Songtexte - unter anderem von Krachern der Popgeschichte wie "Candle in the Wind" oder "Crocodile Rock" - und schickt sie dann an Elton John. Der komponiert dann die Musik dazu. "Früher musste ich ihm die Texte faxen. Es war ein Kampf, diesen Mann in das 21. Jahrhundert zu bugsieren", erzählte Bernie Taupin dem "Telegraph". "Jetzt darf ich sie ihm mailen. Aber ich bin sicher, er lässt sie sich ausdrucken. Leute dafür hat er ja genug."

Das demonstriert nicht zuletzt auch, in welchen unterschiedlichen Welten die beiden doch leben - was wiederum die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit umso beachtlicher macht. Wie nachhaltig das Ergebnis dieser Kollaboration ist, zeigen zwei neue Alben, die sich in das ohnehin längst ausufernde Portfolio an Coverversionen von Liedern, die man gemeinhin Taupin-ignorierend als "Elton-John-Songs" bezeichnet, einreihen.


Ritt übers Grab
Das eine Album heißt "Revamp. The Songs of Elton John & Bernie Taupin" und vereint die Crème de la Crème des Kommerzpops. Die Auswahl wird eröffnet mit einem Gastauftritt von Elton John selbst, der mit P!nk und dem Rapper Logic etwas zu sehr den technophilen Charttrends anbiedernd "Bennie & the Jets" dekonstruiert. Ed Sheeran hat sich ausgerechnet "Candle in the Wind" ausgesucht und reitet auf der Folkgitarre ein bisschen zu flott über das Grab von Norma Jean Baker. Rechtschaffen misslungen ist die Variante von "Your Song", die Lady Gaga aufbietet: Der Charme des Liedes liegt in seiner Einfachheit, die ihm Lady Gaga mit ihrem unverbesserlichen Hang zur Angeberei nicht gönnen will.

R’n’B-Sängerin Mary J. Blige wiederum hat aus dem mitunter etwas faden "Sorry Seems To Be The Hardest Word" lässig-kraftvollen Vintage-Neo-Soul gemacht. "Tiny Dancer" bekommt mit der Stimme von Florence Welch von Florence and the Machine eine schroff-ätherische Indie-Leichtigkeit, die dem Song zuträglich ist. Die Queens of the Stone Age geben "Goodbye Yellow Brick Road" als dezente Rockhymne, was auch irgendwie Reiz hat. Miley Cyrus hat sich "Don‘t let the sun go down on me" ausgesucht und singt sich für ihre Begriffe recht biedermeierlich durch ein Arrangement mit Songcontest-Anmutung.

Miley Cyrus ist übrigens die einzige Sängerin, die auch auf der zweiten Cover-Zusammenstellung zu hören ist. Die heißt "Restoration: The Songs of Elton John & Bernie Taupin". Für das Album hat Taupin Countrysänger ausgewählt, die ihre ganz besondere Version der altbekannten Hits in der einschlägigen Sound-Umgebung präsentieren.

Rau und unprätentiös
Dabei ist die deutlich interessantere Platte entstanden. Manches Lied fügt sich erstaunlich organisch in die Country-Umsetzung, wie "Honky Cat", das Lee Anne Womack in zurückgelehnter Barstimmung aufgeraut gibt. Oder auch "My Father‘s Gun", das von Miranda Lambert unprätentiös vorgetragen wird. Andere Songs punkten mit etwas, das Elton-John-Cover zumeist nicht anbieten können: Überraschung - etwa "Rocket Man" in der Summ-Chor-Variation von Little Big Town. Keine Überraschung ist freilich, dass der große Willie Nelson mit einem intensiven "Border Song" einen Höhepunkt der CD liefert.

Die Zusammenarbeit von Taupin und John ist übrigens - trotz angekündigter Show-Pension des letzteren - nach wie vor im Gange. Dass ihr Funktionieren nie notwendigerweise mit geistigem Gleichklang oder übermäßiger Kommunikation verbunden sein musste, zeigt ein weiteres Zitat von Taupin: "Er fragt mich nie etwas zu meinen Texten. Es gibt Lieder, da hat er die Bedeutung erst Jahre später verstanden."

Revamp: The Songs of Elton John & Bernie Taupin (Virgin EMI)

Restoration: The Songs of Elton John & Bernie Taupin (UMG)




Schlagwörter

Pop, Country, Elton John, Bernie Taupin

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-13 16:48:12
Letzte Änderung am 2018-04-13 16:51:11



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