• vom 20.04.2018, 18:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop

Seufzen, summen, hauchen, wispern




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Von Andreas Rauschal

  • Die US-Musikerin Liz Harris alias Grouper kommt mit ihrem neuen Album "Grid Of Points" zum Donaufestival.

Schlummermusik mit Stoßseufzern: Liz Harris widmet sich als Grouper auch dem Un- und Unterbewussten. - © Grouper

Schlummermusik mit Stoßseufzern: Liz Harris widmet sich als Grouper auch dem Un- und Unterbewussten. © Grouper

"Das Donaufestival fragt nach künstlerischen Alternativen zu einer bleiernen, aufgeblähten Gegenwart, nach dem Potential von Be- und Entschleunigungen, Übertreibungen und Verweigerungen. Und es sucht in der Ortlosigkeit der vernetzten Welt nach etwas Altmodischem: nach Präsenz, nach Momenten der Nähe, nach Online-Ritualen, nach den eigensinnigen Zeiterfahrungen der Musik und der Kunst."

Zum Schaffen der US-Musikerin Liz Harris alias Grouper passt das Programmvorwort des Donaufestival-Intendanten Thomas Edlinger in gleich mehreren Punkten perfekt. Umso besser, dass die Sängerin am Eröffnungstag der Veranstaltungsreihe (am Freitag, 27. April) ihr neues Album veröffentlicht und es an diesem Tag gleich auch in Krems präsentiert. Die auch als bildende Künstlerin aktive Enigmatikerin mag mit elf Alben seit dem Jahr 2005 zwar im Schaffen auch selbst Erfahrungen mit Beschleunigung (von Produktionsprozessen) gemacht haben. In ihrer auf Temporeduktion, Kontemplation und Ruhe setzenden Musik aber steht die Zeit als künstlerisches Kontrastmittel zu alledem still.

Information

Donaufestival: Das Programm

Pop, Performance, Kunst, Film und Talks regieren auch heuer an zwei Wochenenden in Krems. Eckpunkte zum Start: Post-Rock von Godspeed You! Black Emperor und Laurel Halo mit ihrem aktuellen Album "Dust" (27. April), queerer Cyber-R&B von MHYSA (28.), Drone-Metal von Gravetemple und Colin Stetsons Jazz-Metal-Projekt Ex Eye (29.). Eine Performance zwischen Fitnesswahn und Neoliberalismus kommt von The Agency, Liquid Loft errichten ihre "Church Of Ignorence" und auch das niederländische Kollektiv Wild Vlees schaut vorbei.

Das zweite Wochenende bietet die nordafrikanisch inspirierten Erleuchtungsstudien von James Holden & The Animal Spirits und das flamboyante südafrikanische Duo FAKA (4. Mai), Industrial-Techno von Perc (5.), den 80er-Jahre-Referenzpop von Molly Nilsson, den Zappelphilipp-Rock von Deerhoof sowie eine Wiederbegegnung mit Singer-Songwriterin Scout Niblett (6.). Bei Oreet Ashery aus Israel wird das Publikum mit verstärkten Stricknadeln zum Klangerzeuger, Britt Hatzius wiederum setzt mit "Blind Cinema" auf Kopfkino als Filmerfahrung.

Alle Termine und Tickets: www.donaufestival.at

Mit Bandrauschen

Das gilt besonders auch für "Grid Of Points" (Kranky Records), dem die Musikerin (und hier kommt die bildende Künstlerin Liz Harris ins Spiel) nun wieder ein knappes konzeptuelles Statement voranstellt, das die Aussparung und das Unfertige fokussiert, das Verschwinden und Fehlen von jemandem oder etwas.

Unter den wenigen Dingen, die man über Grouper mit Sicherheit weiß (ihr genaues Alter gehört nicht dazu), ist eine Vorliebe für ungewöhnliche Auftrittsorte abseits von Clubs, bei denen es sich um Kapellen ebenso handeln kann wie um Friedhöfe, ganz vorne dabei. Die längst in einen säkularen "Klangraum" umgewandelte ehemalige Minoritenkirche Krems/Stein, die das Donaufestival in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Höhepunkte beschenkt hat, dürfte der Frau also gefallen. Außerdem sind ihre heute wieder verstärkt auf sakralen Hallgesang gebuchten Songs dort gut aufgehoben, die außer auf Momente der stillen Wehklage vor allem auf ein Kerncharakteristikum vertrauen: Seufzen, summen, hauchen, wispern.

Texte gibt es bei Grouper sehr sicher auch. Ebenso sicher wird man aber bestenfalls nur Fragmente davon verstehen. Neben einer thematischen Nähe zu Träumen und dem Un- und Unterbewussten (2012 hat Grouper mit ihrem Kollegen Jefre Cantu-Ledesma im Rahmen eines als performative Installation angelegten Auftritts auf der Berliner Transmediale Schlummermusik für einen Schlafzyklus gereicht) künden jedenfalls bereits Albumtitel wie "Dragging A Dead Deer Up A Hill" und "The Man Who Died In His Boat" sowie das während eines Aufenthalts in Portugal eingespielte "Ruins" von 2014 davon, dass es sich bei Liz Harris zumindest um keine klassische Frohnatur handeln könnte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-20 15:30:20
Letzte Änderung am 2018-04-20 15:33:47



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