• vom 04.05.2018, 16:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 04.05.2018, 16:24 Uhr

Pop-CD

Punk als Haltung




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Von Heimo Mürzl

  • Das Stuttgarter Trio Die Nerven präsentiert sich auch mit neuem Material subversiv.



Im Jahr 2012 veröffentlichte die deutsche Noisepunk-Formation Die Nerven mit "Fluidum" ihr erstes Album. Schon damals war offensichtlich, dass die Stuttgarter Band es niemandem recht machen wollte. Diese Haltung hat sich das Trio bis heute erhalten. Für ihn bedeute Punk jene unverrückbare Haltung, die Dinge so zu machen, wie er es möchte, hält Frontmann Max Rieger fest.

Information

Die Nerven
Fake

(Glitterhouse Records)

Nach den Alben "Fluidum", "Fun" und "Out" haben Die Nerven nach fast drei Jahren Veröffentlichungspause mit "Fake" wohl so etwas wie ihr Opus magnum vorgelegt. Auch wenn die ursprüngliche Devise der Band, möglichst sehr laut zu sein und sich dadurch Gehör zu verschaffen, ein wenig in den Hintergrund getreten ist - der rebellische Geist sowie eine widerständige und auf persönliche Integrität, Skepsis und Beharrlichkeit setzende Haltung machen die Band nach wie vor unverwechselbar und ihre Musik relevant.

"Fake" überzeugt als Album, das den Zeitgeist nicht nur beschreiben, sondern auch verändern will. Max Rieger & Co kritisieren in ihren Texten den Ungeist der Generation Smartphone ebenso wie die Tatsache, dass in Zeiten von Message Control, Selbstoptimierung und Selbstdarstellung nur noch die Fassade von Bedeutung zu sein scheint.

Die Musik der Band ist auch auf "Fake" eine Synthese aus Hardcore, Noise, (Post-)Punk, Indierock, Shoegaze, Krautrock und Pop. Auch wenn die Melodien nun in den Vordergrund rücken, klingen die Songs noch immer brachial und unangepasst. Wir hören aufregende und zwingende Rockmusik mit deutschen Texten, die trotz des grundsätzlichen Nicht-einverstanden-Seins mit der Welt die richtigen Fragen stellt. Max Rieger (Gesang, Gitarre), Julian Knoth (Gesang, Bass) und Kevin Kuhn (Schlagzeug) verzichten zwar nicht ganz auf griffige Parolen - "Her mit euren Lügen, her mit eurem Neid" -, bündeln ihre Unzufriedenheit aber in ebenso reflektierten wie lässigen Songs, denen ein charmanter Wille zur Subversion innewohnt. Alles zusammen ergibt das ein Album, das heuer auf keiner Jahresbestenliste fehlen sollte.

Anspieltipps: "Niemals", "Alles falsch", "Neue Wellen" oder das Titelstück, "Fake".





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-05-03 15:54:35
Letzte Änderung am 2018-05-04 16:24:50




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