• vom 03.05.2018, 17:04 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 03.05.2018, 17:18 Uhr

Janelle Monae

Sie kommt in Frieden, aber sie meint es ernst




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Von Christina Böck

  • Die US-Popmusik politisiert sich. Ein so partytaugliches wie engagiertes Zeichen setzt dabei Soulsängerin Janelle Monáe.



In so ziemlich jedem Lied des Albums widmet sich Janelle Monáe Fragen von Rasse, Klasse und Sexualität.

In so ziemlich jedem Lied des Albums widmet sich Janelle Monáe Fragen von Rasse, Klasse und Sexualität.© Warner/Leila Ivarsson In so ziemlich jedem Lied des Albums widmet sich Janelle Monáe Fragen von Rasse, Klasse und Sexualität.© Warner/Leila Ivarsson

Kanye West hat schon wieder etwas Einfältiges gesagt. Jetzt war der Rapper der zweifelhaften Meinung, wenn etwas 400 Jahre dauert, so wie die Sklaverei in den USA, könne man schon von einer gewissen Freiwilligkeit ausgehen. Der Sklaven nämlich. Diese Aussage sorgte für treffliche Aufregung, zumal Kanye West selbst schwarz ist und eine solche Geschichtsklitterung ihm daher besonders fremd sein müsste.

West ist ein Beispiel für eine Art der Politisierung des US-Pops, die in den vergangenen Monaten zugenommen hat. Man könnte es die Abteilung "Polit-Rülpser aus der Celebrity-Zwischenwelt" nennen. West, wahrscheinlich der einzige Trump-Unterstützer in einem vorwiegend liberalen Unterhaltungskosmos, wird dann gerne als Spinner, der seine Tabletten nicht genommen hat, abgetan. Oder er bekommt von berufener Kollegenseite eine Moralpredigt.

Rülpser ohne Engagement

Für den Lauf der Welt haben Wests mitunter befremdliche politische Meinungen freilich genauso viel Auswirkung, wie wenn der Louis-Vuitton-Koffer von seiner Frau Kim Kardashian auf ihr Louis-Vuitton-Beauty-Case fällt. Der immer gleiche Ablauf dieser Episoden kann aber durchaus als Zerrspiegel des aktuellen politischen Diskurses gelten. Nachdem Kanye West seine Meinung, die vielleicht dämlich, aber legitim ist, kundgetan hat, wird er von moralisch berufenerer Seite zurechtgewiesen. Das lässt sich der Rapper nicht gefallen und legt noch ein Schäufelchen nach, ob mit oder ohne Beteiligung seines Intellekts. Auf beiden Seiten fallen alle Hemmungen, die Auseinandersetzung ist dahingemeuchelt, bevor irgendwelche sinnvollen Ergebnisse schüchtern sprießen hätten können. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Klingt ein wenig nach dem Mechanismus, der Kanye Wests Lieblingspräsidenten Trump an die Macht gebracht hat.

In seiner Musik thematisiert West all dies wenig - was er auf seinem neuen Album machen wird, ist allerdings nicht abzusehen. Es dürfte bald erscheinen - die verbalen Eskapaden deuten zumeist auf eine bevorstehende "Geburt" hin -, aber auch in diesen Angelegenheiten agiert der Rapper überaus erratisch. Das unterscheidet West von den Künstlern, die im neu politisierten Pop in die Kategorie "Botschaften von Menschen, denen man ihre Beseeltheit auch abnimmt" fallen. Man könnte auch sagen: Jene, die nicht nur groß reden, sondern auch etwas tun. In diese Kategorie fällt Soulsängerin Janelle Monáe. Das zeigte schon ihre kämpferische Rede bei der Grammy-Verleihung, die nicht nur, wie mittlerweile praktisch Pflicht, lippenbekenntnishaft Solidarität mit unterdrückten Frauen versprach.




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Dokument erstellt am 2018-05-03 17:09:39
Letzte Änderung am 2018-05-03 17:18:10




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