• vom 17.05.2018, 17:07 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Jazz-Konzert

Auf der Klaviatur der Vielfalt




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Brad Mehldau legt heuer bereits ein zweites Album vor - und gastiert in Wien.

Ausnahmepianist als Stammgast: Brad Mehldau.

Ausnahmepianist als Stammgast: Brad Mehldau.© Michael Wilson Ausnahmepianist als Stammgast: Brad Mehldau.© Michael Wilson

Wien. (irr) Den Weg zur Bühne muss man ihm wohl nicht mehr zeigen. Brad Mehldau, Pianist aus Florida, ist ihn im Wiener Konzerthaus etliche Male gegangen; allein im Vorjahr hat er hier an zwei Abenden gespielt - und wird es nun, am Freitag, wieder tun.

Trotz dieser Vertrautheit droht keine Langeweile. Mehldau ist der wohl beste Jazzpianist seiner Generation, unerhört feinsinnig in der Linienführung und Akkordgestaltung. Und: Er serviert in regelmäßigem Abstand neue Programme. Im Vorjahr etwa sein Solo-Projekt zu Johann Sebastian Bach. In stetem Wechsel erklangen da Stücke aus dem "Wohltemperierten Klavier" und Fantasien von Mehldau, die die Barockmusik weiterdachten. Das führte in kühne Harmonien, wirkte aber doch stimmig: Mit seinen schwebenden Linienschichtungen ist auch der Pianist aus Jacksonville in einem gewissen Sinne Kontrapunktiker. Seit März liegt diese Großtat auf CD vor ("After Bach", Nonesuch).


Erkundete Mehldau im Vorjahr dann auch noch mit dem Sänger und Mandoline-Alleskönner Chris Thile die Schnittmengen von Jazz, Bluegrass und Post Rock, steht am heutigen Freitag im Konzerthaus ein Wiedersehen mit seinem Trio bevor. Der 47-jährige Pianist, Bassist Larry Grenadier und Schlagzeuger Jeff Ballard werden dabei wohl vor allem aus jenem Material schöpfen, das am heutigen Tag auf einer neuen CD erscheint.

Entspannt in den Sommer
"Seymore Reads the Constitution!" (ebenfalls Nonesuch) heißt das Album und spaziert dem Sommer entspannt entgegen. Bevorzugt im mittleren Tempobereich unterwegs, ergeht sich das Trio in Pop-Adaptionen, noch nicht totgespielten Jazz-Standards ("Beatrice" von Sam Rivers) und eigenem Material. Besonders apart: Paul McCartneys "Great Day", der sich sonnig und mit einer Prise Soul entfaltet. Ebenfalls lohnend: Mehldaus "Spiral", mit einem gemächlichen 5/4-Groove, den dann immer rasendere Zickzack-Linien überwuchern.

Diese werden wohl auch am heutigen Freitag zu hören sein - und vermutlich wieder ein paar deutsche Ansagen des Romantik-begeisterten Amerikaners.




Schlagwörter

Jazz-Konzert, Brad Mehldau

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-05-17 17:12:58



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. rätsel
  2. Unter Dumpfbacken
  3. "Wir sind alle noch ziemlich barbarisch"
  4. Das Fürchten nicht gelernt
  5. Saarbrücken ist melancholisch
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
  3. Roman unter Wahrheitspflicht
  4. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  5. Exorzismus am Teufel Plastik


Quiz


Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung