• vom 06.06.2018, 16:45 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Andreas Gabalier

Liebesgrüße aus der Lederhose




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Von Andreas Rauschal

  • Andreas Gabalier ist wieder da. Auf einem neuen Album setzt es alte Werte.

Hirschledern-brünftig: Andreas Gabalier, Volks-Rock-’n’-Roller. - © Sepp Pail

Hirschledern-brünftig: Andreas Gabalier, Volks-Rock-’n’-Roller. © Sepp Pail

Seit seinem Auftauchen im Geschäft ist der Mann vor allem auch dafür bekannt, den guten alten Rock ’n’ Roll (oder zumindest das, was er dafür hält) etwas speziell über die Herkunft als solche und noch spezieller über das Lederhosige seiner Herkunft aus dem schönen Hoamatland Österreich zu deuten.

Auch wenn Andreas Gabalier ein Problem damit hat, die hiesige Bundeshymne in ihrer aktuellen Version zu singen, die neben den Söhnen auch einen Platz für die Töchter vorsieht (Andreas Gabalier hat in diesem Zusammenhang von "Gender-Wahnsinn" gesprochen): Albumtitel wie "Da komm’ ich her" (2009), das später auch zur Berufsbezeichnung herangezogene "Volks-Rock ’n’ Roller" (2011) und zuletzt "Mountain Man" von 2015 beweisen es.

Fremdes Kulturgut

Das nun vorliegende neueste Machwerk des 33-jährigen gebürtigen Kärntners mit dem Titel "Vergiss mein nicht" (Universal) wiederum eröffnet diesmal unter den Vorzeichen einer anderen Sehnsucht. Die dreht sich bei "Verdammt lang her" im Sinne des "Summer Of ’69" von Ö3-Rocker Bryan Adams, nur abzüglich des ideologisch problematischen, weil für den Sommer der Liebe, die sexuelle Revolution und den Hippiegeist mit seiner Neigung zum Hasch-Rauchen und LSD-Spritzen anstelle eines anständigen hoamatländischen Spritzwein-, Bier- und Schnapserl-Abusus stehenden Jahrgangs, um die eigene Vergangenheit namens Jugend. Andreas Gabalier gibt es zu: "Der Walkman hat uns das Hirn weggföhnt / nach ana hoarten Nacht habn sie uns wiederbelebt (. . .) Wunderboar! Wir woarn 16 Joahr."

Nach den hier zentralen Stromgitarren im Anschluss bei "Hallihallo" ein weiteres Zugeständnis an fremdes Kulturgut: Andreas Gabalier besingt in partiellem Denglisch eine "Lipstick Lady" und mansplaint dieser bedrohlich, wie sie auf Zudringlichkeiten seinerseits (sie werden vermutlich als "Anbandeln aus Liab" oder so bagatellisiert) zu reagieren habe: "Kumm! Bitte, bitte drah die um. Bitte, bitte sei net dumm. Ein kleines Lachen fallt nicht schwer . . ."

Zwar wird mit akuter EAV-Lyrik zwischendurch noch die Notbremse gezogen: "Sagt sie Ja, bleibst du da / Sagt sie Nein, gehst du heim." Dafür klingt es im Titelstück (Vorsicht, es wird wieder poetisch: "Liebe ist die Kraft des Lebens / die verglüht und nie zerbricht / Herzen leuchten, Funken sprühen / heller noch als Sonnenlicht") mit heiserer Marlboro-Rot-Stimme hirsch-ledern-brünftig dann gleich nach einer sich unmittelbar anbahnenden Triebtat: "Du bist wunderschön, uououo! Wunderschön! Wunderschön!! Uououo!!!"

Überhaupt sollte man einmal über diese Stimme nachdenken. Die hört sich zwischen Stromrocknummern, zu denen man auch beim sechsten Bier über den Durst noch den Takt halten kann, und den der "Liab" zugetanen Schmuseballaden zwischen Kunstblut und -Vibrato nicht nur dann nach HC Strache an, wenn Andreas Gabalier sich wie dieser einst in seinen Wahlkampfliedern am "Rap" versucht.

Im Herbert-Kickl-Stil

Gejodelt wird auf "Vergiss mein nicht" am Ende zwar nicht. Nahe am geistigen Erbe der erotisch-ulknudelnden Lederhosen-Filme ("Ach jodel mir noch einen", "Liebesgrüße aus der Lederhose") steht aber nicht nur ein Stück namens "Kaiserjodler": "Franzl, Franzl, sing für mich ein G’stanzl / Heit beim 5-Uhr-Tee / Dann bind i mir das schönste Kranzl / aus Blumen von der Höh . . ."

Das Kernstück des Albums ist mit "Kleine heile steile Welt" aber eine Nummer, die einem Glaubensbekenntnis an das österreichische Nationalgericht Numero uno im Herbert-Kickl-Stil ("Nix is mehr Daham / als ein Schnitzel aus der Pfann") seltsame Assoziationsketten folgen lässt:

"I glaub an Leit, die sich geben wie sie san / In am christlichen Land hängt a Kreuz an der Wand / Wenns sein muss niederknian, um Vergebung flehen / Des Beste geben, des Leben lebn / zu seine Föhla stehen (. . .)/ I glaub an klesch . . . kaltes Bier / des mir a fesche, kesse, freche Kellnerin serviert / an Schädlweh nochm Saufengehn / Eisenbiagn, beim Oamdruckn nie verlieren."

Zum Abschluss von "Vergiss mein nicht" nach gefühltermaßen sehr langer Zeit wird es in bester Heurigen(sänger)manier dann auch noch lebensweise-philosophisch: "Es hat ein jeder sein Pinkerl zum trogn . . ." - aber das weiß man ja schon, wenn man es bis ans Ende des Albums geschafft hat.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-06 15:25:14
Letzte Änderung am 2018-06-06 16:19:14



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