• vom 01.07.2018, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Ambient für nächtliche Stunden




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Von Uwe Schütte

  • Endlich wieder erhältlich: zwei Gemeinschaftsalben von David Sylvian und Holger Czukay.



Still ist es geworden, leider, um David Sylvian. Wir haben ihm einige der schönsten Musikstücke der Popgeschichte zu verdanken, und das ist kein geringes Verdienst. Sein letztes reguläres Song-Album, "Manafon", erschien 2009 und entstand teilweise in Wien unter Mitwirkung österreichischer Musiker wie Christian Fennesz, Burkhard Stangl und Werner Dafeldecker. Nun aber gibt es eine höchst willkommene Neuveröffentlichung zweier Meisterwerke der Ambient-Musik, nämlich der beiden Alben, die Sylvian Ende der 1980er Jahre gemeinsam mit Holger Czukay von den Krautrockgiganten Can gemacht hat: "Plight & Premonition" von 1988 und "Flux & Mutability" von 1989.

Information

David Sylvian & Holger Czukay
Plight & Premonition /
Flux & Mutability

(Grönland)

Beide Platten sind seit längerer Zeit nicht mehr erhältlich gewesen und werden nun im Rahmen der Wiederveröffentlichungen aus dem Werk des unlängst verstorbenen Czukay auf einer remasterten Doppel-CD erneut zugänglich. Es sind insgesamt vier längere Stücke, deren Titel jeweils mit den Titelworten der beiden Alben korrespondieren und die insgesamt alle ähnlich klingen, obwohl die Herangehensweisen durchaus unterschiedlich sind. Entstanden im Kölner Studio von Czukay, haben sich auch weitere ehemalige Can-Mitglieder wie Gitarrist Michael Karoli und Drummer Jaki Liebezeit beteiligt. Eindrucksvoll auch das Flügelhorn von Markus Stockhausen, Sohn des berühmten Komponisten, auf "Flux".

Die ätherischen Klangwelten, die Sylvian im Zusammenspiel mit den genialen Musikern von Can erschafft, werden immer wieder von Soundschnipseln durchzogen, die Czukay mit seinem Kurzwellenradio gefunden hat. Auf dem atmosphärischen "Plight" etwa hört man nach rund fünf Minuten einen Sprecher "Radio Österreich International" sagen, gleich einem unheimlichen Gruß aus der Kindheit.

Überhaupt sind diese zwei CDs voller Musik, die jede Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart oder Innen und Außen in Frage stellt. Dreißig Jahre nach ihrem ersten Erscheinen sind sie immer noch ihrer Zeit voraus: Es sind akustische Begleiter spiritueller Entdeckungsreisen, es ist Kopfhörermusik für nächtliche Stunden.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-06-28 16:28:49
Letzte Änderung am 2018-06-28 16:48:24



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