• vom 01.07.2018, 08:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Soul

"Man sollte mich kennen - schon lange!"




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Von Christina Böck

  • Soul-Kraftstimme Bettye LaVette über das Reizwort "Comeback" und was schwarze Frauen Bob Dylan voraushaben.


© Mark Seliger © Mark Seliger

Das erste, was Bettye LaVette einem gleich einmal abräumt, sind Illusionen. "Sie sind ja wohl der romantischste Mensch der Welt", sagt sie mit ihrer charakteristisch belegten Stimme und lacht vergnügt am Telefon dazu. Die Frage, die die 72-Jährige so amüsiert, dreht sich um die Auswahl der Songs für ihr aktuelles Album "Things have changed" (Verve). Da singt sie nämlich Lieder von Bob Dylan. Und die Auswahl hat sie recht prosaisch danach getroffen, was am besten zu ihrer Stimme gepasst hat. Bei dieser unsentimentalen Herangehensweise hilft natürlich, dass Bettye LaVette eine gestandene Künstlerin mit 57 Jahren Berufserfahrung ist. Die schüchtert ein Name wie Bob Dylan aber so was von nicht im Geringsten ein. "Ich mache Musik. Ich bin kein Fan von einer besonderen Marke oder von irgendeiner Person."

Dylan im Spukhaus
Und sie legt Wert darauf, dass sie die Bob-Dylan-Songs nicht "covert", sondern dass sie sie singt - übrigens leider nicht, wie eigentlich angekündigt, beim Wiener Jazzfest. Einige der Lieder, etwa "Ain’t Talkin‘" in SpukhausSoundtrack-Anmutung, sind kaum zu erkennen nach der LaVette-Behandlung. Und das ist gut so. Weil sich Bettye LaVette nicht als Nachsingerin, sondern als Interpretin versteht, ist sie auch schwer zufrieden, wenn man ihr sagt, dass das CD-Booklet durchaus hilfreich bei der Song-Identifizierung ist: "Das ist mir wichtiger als alles andere!" Man kommt dann aber auch nicht umhin, sich zu fragen, ob Bettye LaVette das Oeuvre von Bob Dylan überhaupt gemocht hat, bevor sie dieses Album aufgenommen hat. Die Antwort ist für sie ungewohnt ausweichend: "Ich mochte sie, nachdem ich sie mir selbst vorgesungen habe."


Das Album brachte Bettye LaVette auch eine Zusammenarbeit mit Keith Richards von den Rolling Stones ein. "Wir hatten sehr viel Spaß. Ich treffe ja nicht so oft reiche Altersgenossen - weil die sind reich und ich bin’s nicht. Ich glaube, wenn wir uns in den 60ern getroffen hätten, hätten wir einen ganzen Haufen Ärger bekommen", erzählt sie und lacht wieder ihr kehliges Lachen.

Apropos 60er Jahre. Damals begann die Soulsängerin ihre Karriere, die aber aus unterschiedlichen Widrigkeiten nie so wirklich abheben sollte. In der Motown-Hitmaschine fand Chef Berry Gordy sie zu "wild", auch LaVette selbst brauchte ein bisschen, um zu akzeptieren, dass sie nun einmal nicht klingt wie ein Mädchen, "das gerade aus der Kirche kommt", sondern eher "wie James Brown". Mit dem tourte sie schließlich auch, wie auch mit Ben E. King. In ihrer Autobiografie "A Woman like me" finden sich auch noch eine ganze Menge andere berühmte Namen der Black-Music-Geschichte. Otis Redding zum Beispiel wollte sie heiraten, obwohl er schon eine andere geschwängert hatte. Sie war aber mehr verschossen in Marvin Gaye. Trotz allerlei Drogenzufuhr - unter anderem gemeinsam mit Funk-Größe George Clinton - kann sich LaVette in ihren Memoiren an alles detailreich erinnern. Der Ereignisreichtum ihrer Lebensgeschichte - einmal ließ ein Zuhälter sie aus einem Fenster baumeln - hat auch das Filmgeschäft aufmerksam gemacht. Es heißt, Alicia Keys zeigt Interesse daran, LaVette zu spielen, aber bisher liegt das Projekt auf Eis.

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Dokument erstellt am 2018-06-29 16:26:07



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