• vom 02.07.2018, 13:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 02.07.2018, 15:19 Uhr

Konzertkritik

Neues von der Casali-Insel




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Von Christoph Irrgeher

  • Caro Emerald, vor sieben Jahren Sängerin eines Hits, war beim Jazz Fest.

- © Horst Kneidinger

© Horst Kneidinger

Journalismus ist Wiederholung, sagen manche. Pop ist das ganz gewiss. Fast 100 Jahre ist es her, dass der Swing erstmals über die Welt kam und dem Jazz die ertragreichste Ära bescherte. Wie viele Revivals folgten, ist schwer zu sagen, sie waren so kurzatmig wie vielzählig. Reifere Semester haben noch den Wagenkonvoi-Jazzpop von Vaya Con Dios ("Nah Neh Nah"!) im Ohr, Jungeltern sahen die Sternschnuppen des Electro Swing verglühen, und heutigen Teenagern ist Melody Gardot, die stimmschöne Restauratorin der alten Häuser Swing und Soul, zumindest über die Playlist gelaufen.

Irgendwo zwischen Vaya Con Dios und Electro Swing steht, stimmlich und stilistisch, Caro Emerald. Die Niederländerin verbuchte 2011 mit "A Night Like This" ihren großen Radiohit und hat an dessen Formel festgehalten: Auf der Basis eines fidelen (und Computer-aufgepumpten) Humpa-Dumpa-Beats der Marke Swing, Tango oder Mambo errichtet sie ein Tuttifrutti-Klangbild und beschwört mit lebenslustiger Stimme Gemeinplätze von der Südsee oder der Riviera. Mit diesen Songpostkarten tritt Emerald gewissermaßen das Erbe eines alten Caterina-Valente-Schlagers an, nämlich von "Tipitipitipso (Beim Calypso ist dann alles wieder gut)".

Information

Konzert

Caro Emerald

Jazz Fest Wien, Wiener Staatsoper

Langer Weg zur Stimmung

In Wien hat die 37-Jährige nun die Reihe der Jazz-Fest-Konzerte in der Staatsoper eröffnet, und sie tat es (angesichts der Ferne ihres Überhits) vor frappant vollem Haus. Nur die Vergnügtheit fehlte anfangs. Gewiss, Emeralds Musik kann charmieren, sie braucht dafür aber stimmungsbegünstigte Umstände: das Getriebe einer Party etwa, einen Damenspitz im Kopf. In den Sitzreihen der Staatsoper nahm man die Darbietung der kunterbunten Abgesandten der Casali-Insel und ihrer sieben Musikarbeiter anfangs vor allem zur Kenntnis. Daran änderte es nichts, dass der Heppipeppi-Song "Riviera Life" mit der Tür ins Haus polterte und der Stromlinien-Pop von "Back It Up" und "Tangled Up" folgte. Routiniert klang das, obwohl der Gitarristen-Derwisch ekstatisch um sein Kabel tänzelte. Unvorteilhaft auch, dass die Sängerin das maue Material von "Emerald Island", ihrer jüngsten Scheibe, nach Wien importierte.

Doch die Stimmung, beim Wummern des augenzwinkernden "Stuck" kurz aufgeflackert, stellte sich später dauerhaft ein: Der launige "Liquid Lunch" riss das Sitzfleisch von den Sesseln, und bevor "A Night Like This" zuletzt auflebte, gab es mit Duke Ellingtons "Caravan" samt zwei röhrenden Hörnern so etwas wie echten Jazz - auch wenn man meinte, die sympathische Chanteuse könne jederzeit zu einem Computer-optimierten "Tipitipitipso" umleiten.





Schlagwörter

Konzertkritik, Caro Emerald

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Dokument erstellt am 2018-07-02 13:34:48
Letzte Änderung am 2018-07-02 15:19:09



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