• vom 14.07.2018, 10:00 Uhr

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Von Bruno Jaschke

  • Die US-Band Dirty Projectors schickt ihrem disparaten letzten, titellosen Werk mit "Lamp Lit Prose" einen wesentlich zugänglicheren Nachfolger hinterher.



Welttheater in 38 Minuten: Dirty-Projectors-Kopf David Longstreth.

Welttheater in 38 Minuten: Dirty-Projectors-Kopf David Longstreth.© Frank Rothenberg Welttheater in 38 Minuten: Dirty-Projectors-Kopf David Longstreth.© Frank Rothenberg

Vermutlich haben selbst sogenannte Insider Dirty Projectors (ohne "the") frühestens seit 2009 auf dem Radar, als sie mit dem Album "Bitte Orca" einen Überraschungserfolg mit Billboard-Top-100-Notierung landeten. Der Longplayer mit dem seltsamen Titel - lässt sich denn ein Killerwal wirklich bitten? - verblüffte mit einer waghalsig-stimmigen Mischung aus sogenannter experimenteller Populärmusik und melodischer Begabung, eingefasst in verschiedene stilistische Formate von vertracktem Post-Rock bis zu Prog-Rock der eher barocken Art.

Information

Dirty Projectors
Lamp Lit Prose
(Domino/GoodToGo)

Der Nachfolger, "Swing Lo Magellan", stürmte dann mit fliegenden Fahnen und gnadenlos populistischen Songs wie "Gun Has No Trigger","About To Die" oder dem Titelsong das Zentrum des Pop und war dementsprechend noch erfolgreicher. Damals, 2012, hatten Dirty Projectors bereits eine Geschichte von zehn Jahren Existenz und einer guten Handvoll durchwegs strapaziöser Alben hinter sich. In diesem Lichte muteten die beiden "Erfolgs"-Platten an wie das Ende einer langen Odyssee.

Mit Helfern

Dementsprechend groß war die Irritation unter der neu gewonnenen Anhängerschaft, als Anfang 2017 ein recht sperriges, schlicht "Dirty Projectors" benanntes neues Werk herauskam. Mochte der lakonische Titel nachdrücklich eine genuine Band-Leistung indizieren, so waren Dirty Projectors hier wieder mehr denn je das Vehikel, das der genialische Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist David Longstreth nach individuellem Gutdünken und Dafürhalten steuert - wenn ihm danach ist: auch gegen die Wand.

Der vor 36 Jahren in Connecticut geborene gegenwärtige Bürger der Stadt Los Angeles hat sich für die Realisation seiner zumeist konzeptionell gerahmten Werke seit jeher ausgesuchter Erfüllungsgehilfen an Blas- und Streichinstrumenten sowie feierlicher Chöre, weiblicher Zweit- und Drittstimmen sowie avancierter Technologie bedient.

Auf "Dirty Projectors" trat ein psychisch wegen des Bruchs mit seiner langjährigen Lebens- und Bandgefährtin Amber Coffman angeschlagener Longstreth via Stimmverfremdung in den Dia- und Trialog mit sich selbst, baute mit Samples und harschen rhythmischen Verschiebungen Stoppschilder und Bruchstellen in die ausladenden Stücke ein und konnte trotzdem nicht große Songs wie "Up In Hudson" oder "I See You" verhindern.

Nun scheint er aber zu meinen, seiner p.t. Zuhörerschaft (vorläufig zumindest) genug zugemutet zu haben - eineinviertel Jahre nach "Dirty Projectors" wird er mit einem neuen, offensiven, vergleichsweise sehr zugänglichen Album vorstellig: "Lamp Lit Prose". Mit Prosa im Lampenlicht zum Vollbad im Rampenlicht sozusagen. Zu Longstreths Helfern zählen hier etwa die Soulsängerinnen Sydney Bennet (Syd) und Amber Mark, die Synthie-Popperin Lorely Rodgriguez (Empress Of), die Schwestern Danielle, Alana und Este Haim von der Pop-Rock-Band Haim, der umtriebige ehemalige Vampire Weekender Rostam Batmanglij, Robin Pecknold von den Fleet Foxes und Katy Davidson, die Frontfrau der Indie-Pop-Band Dear Nora.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-12 17:04:56
Letzte Änderung am 2018-07-12 17:14:46



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