• vom 20.07.2018, 16:40 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 20.07.2018, 16:43 Uhr

Pop

Der große Kämpfer




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Von Bruno Jaschke

  • Eine hörenswerte Kompilation mit dem schönen Titel "Leckt’s mi aum Oasch" führt auf zwei Vinyl-Platten durch das Werk des Liedermachers Sigi Maron.



Kronzeuge, Beistand, Anwalt, Sprachrohr: Sänger & Liedermacher Sigi Maron (1944-2016).

Kronzeuge, Beistand, Anwalt, Sprachrohr: Sänger & Liedermacher Sigi Maron (1944-2016).© apa/Rubra Kronzeuge, Beistand, Anwalt, Sprachrohr: Sänger & Liedermacher Sigi Maron (1944-2016).© apa/Rubra

Einigermaßen "cool" ist Sigi Maron erst seit ein paar Jahren. Nämlich seit sich einige herausragende Kräfte aus nachfolgenden Musikergenerationen hingebungsvoll zu ihm bekennen: Neben Attwenger, Gustav und seinem frühen Mentor André Heller haben sich vor allem Ernst Molden, Robert Rotifer und Der Nino aus Wien um die gebührende Würdigung des bärbeißigen Sängers, Komponisten, Autors, Schauspielers und Kabarettisten verdient gemacht.

Information

Sigi Maron
Leckt’s mi aum Oasch
(Schallter)

"Maron ist mein Gott", sagte Molden, dessen Werk oberflächlich eigentlich eher wenige Berührungspunkte mit jenem Marons zu haben scheint, 2011 zur "Wiener Zeitung" über den Künstler, zu dessen schönsten Liedern eines mit dem Titel "Es gibt kan Gott" gehört. Rotifer wiederum rekapitulierte in seinen gewohnt klugen, einfühlsamen Blogs, Geschichten und Radiosendungen, wie er verspätet Zugang zu Marons Schaffen fand und sich zum ergriffenen Bewunderer wandelte.


Der Nino aus Wien schließlich coverte mit Molden "De Spur von dein nokatn Fuass" auf dem gemeinsamen Album "Unser Österreich". Und alle drei zusammen erwiesen Maron vor noch nicht allzu langer Zeit mit einer berührenden Hommage im Wiener Stadtsaal die Ehre: "Daunkschee, Sigi!"


Das Schallter-Label zieht nun mit einer Doppel-Vinyl-Platte nach, die von Schallter-Betreiber Walter Gröbchen gemeinsam mit dem Wiener Musikmanager Franz Christian "Blacky" Schwarz kompiliert worden ist und den schönen Titel "Leckt’s mi aum Oasch" trägt.

Übrigens passt der Terminus "cool" nicht so recht zu dem 1944 in Wien geborenen und 2016 in Baden verstorbenen Sigi Maron, der seit seinem 12. Lebensjahr infolge einer Kinderlähmung einen Rollstuhl benutzen musste. Maron war Kronzeuge, Beistand, Anwalt, Sprachrohr - alles Mögliche, was man sich wünschen kann, wenn Dinge im Argen liegen -, aber er war, bildlich beschrieben, eher nicht jemand, mit dem man bei einer Hipster-Party antanzte.

Kämpferisch, agitatorisch, oft wütend und derb, gab er sich nie die Aura des überlegenen Verführers, die mit "cool" verbunden wird. Er war auch, wie Walter Gröbchen in den Liner Notes zu "Leckt’s mi aum Oasch" betont, kaum je zynisch oder sarkastisch. Natürlich ist das im positivistischen Sinn nicht ganz richtig, denn eigentlich finden sich Zynismus und Sarkasmus in seinem Werk zuhauf - aber nie herabsetzend gegen Personen gerichtet, sondern Zustände kommentierend, die keine freundlichere Beschreibung verdienen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-19 16:14:08
Letzte Änderung am 2018-07-20 16:43:38



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