• vom 04.08.2018, 07:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 04.08.2018, 10:00 Uhr

Ed Sheeran

Das Einmaleins der Drolligkeit




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Von Christina Böck

  • Wie konnte Ed Sheeran, der seine Alben nach Grundrechnungsarten benennt, zum Superstar werden?

Der Ed ist aus Wachs, die Katzen aus Pelz und Blut: Sheerans Madame-Tussauds-Figur wurde in einem Londoner Katzencafé präsentiert, weil der Popstar diesen Tieren überaus gewogen ist. - © ap/Kirsty Wigglesworth

Der Ed ist aus Wachs, die Katzen aus Pelz und Blut: Sheerans Madame-Tussauds-Figur wurde in einem Londoner Katzencafé präsentiert, weil der Popstar diesen Tieren überaus gewogen ist. © ap/Kirsty Wigglesworth

Es gibt wahrscheinlich keinen Popstar auf der ganzen Welt, bei dem der "Mein Gott ist der lieb"-Faktor größer ist als bei Ed Sheeran. Eine Autorin des kürzlich verblichenen Magazins "Neon" hat einmal geschrieben, Ed Sheeran nicht zu mögen, komme der rituellen Verbrennung eines Korbs mit Babykätzchen gleich. Es ist also nicht nur unmoralisch, sondern ganz und gar pervers. Apropos Katzen: Feliden haben für den letzten "Moooii wie putzig ist er denn"-Schub in Ed Sheerans Karriere gesorgt. Er hat nämlich seinen beiden Katzen ein Konto bei der Bilderteilplattform Instagram spendiert. Was nur folgerichtig war, gilt doch der Popstar als der internettauglichsten Haustiersorte enorm zugetan. Die Katzen tragen die fastfoodaffinen Namen Dorito (das ist eine Chipssorte) und Calippo (das ist eine Eissorte) und haben mittlerweile über 266.000 Follower, die sich glückselig davon informieren lassen, wie so ein Viecherl dreinschaut, wenn es einen Donner hört.

Kein Entkommen
Apropos hören. Davon kann man bei Ed Sheeran ziemlich viel. Begonnen hat alles 2011, als der damals 20-Jährige noch rechtschaffen als auffallend unauffälliges Maturanten-Bürscherl mit Gitarre bezeichnet werden konnte und seine ersten Hits wie "The A Team" im Formatradio platzierte.


Die freundliche Übernahme der Populärmusik vollzog sich schleichend, aber nachhaltig. Schon sechs Jahre später, Sheeran war Andi-Goldberger-gleich optisch original null gealtert, gab es praktisch kein Entkommen mehr. Das ist keine Übertreibung und ausnahmsweise sogar mit Zahlen zu belegen: Es gab einen Zeitpunkt im Jahr 2017, da entsprang von den zehn Songs der britischen Top Ten eine erkleckliche Mehrheit von neun Stück Sheerans Album "÷". Nur Coldplay konnten sich noch frech dazwischenschummeln.

Bräutigam-Schreck
Das ist natürlich auch irgendwie dem neumodischen Musikrezeptionsverhalten via Internet-Streaming geschuldet, aber das tut der Beliebtheit des Briten, der als Vorbild für das rothaarige Emoji-Männchen ausgewählt wurde, keinen Abbruch. Von nichts kommt nichts, und schon gar nicht 100.000 Fans, die Dienstag und Mittwoch im zweimal ausverkauften Happel-Stadion in Wien höchstwahrscheinlich ausgiebig schwitzen werden.

Sheerans Oeuvre hat aber auch für viele Anlässe etwas zu bieten. Ganz vorne dabei im Verwertungskanon ist natürlich die Ballade "Perfect", die schon die tapsigsten Bräutigame durch ihren Hochzeitstanz geleitet hat. Zum Grölen im Fahrtwind eignet sich "Castle On The Hill" tadellos. Selbst am Lagerfeuer der Kultserie "Game of Thrones" ist ihm als weithin verhöhnter Barde in Pelzstola eine Weise aus der Kehle gepurzelt. Und für den überaus reichlich in den Äther geschmetterten Song "Shape Of You" scheinen sich die Gelegenheiten von der Dorfdisco bis zum Drogeriebesuch ohnehin niemals und nirgends zu erschöpfen.

Der Massentauglichkeit seiner Songs steht wiederum die Konsequenz, mit der Sheeran seine Alben ausgerechnet nach Grundrechnungsarten betitelt, gegenüber. "+", "x" und "÷" machen seiner hornbebrillten Nerd-Optik zwar alle Ehre - lassen aber nur den eigenwilligen Schluss zu, dass das nächste Album konsequenterweise eine Reduktion sein muss. Was freilich ohnehin alles außer diesmal zehn Songs in den Top Ten wäre. Gleichzeitig schafft er es mit den Rechenspielen, nostalgische Grübeleien anzuheizen: Wenn es noch Plattengeschäfte gäbe, würden schicksalsergebene Teenagerväter dann zum Fachverkäufer sagen: "Ich weiß auch nicht genau, die CD mit dem Bindestrich will sie . . ."?

Man kommt nicht umhin, sich vorzustellen, wie dieser Normalo-Superstar dann quasi Versteckte-Kamera-mäßig hinter der Budl auftaucht, Katze auf der Schulter, schelmisches Lächeln im Gesicht. Um Himmels willen, ist er nicht allerliebst oberknuffig.

Die Tickets für Sheeran-Konzerte sind als Anti-Schwarzmarkt-Maßnahme personalisiert. Die Namen auf den Tickets können am Tag des Konzerts ab 12 Uhr bei den Stadionkassen 1-4 und 13-16 unter Vorlage von Buchungsbestätigung, Ausweiskopie des Käufers, Lichtbildausweis und 5 Euro Bearbeitungsgebühr geändert werden.




Schlagwörter

Ed Sheeran, Popkonzert, Wien, Pop

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-03 14:05:22
Letzte Änderung am 2018-08-04 10:00:57



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