• vom 03.08.2018, 18:30 Uhr

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Nachhall mit Einsatz




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Von Andreas Rauschal

  • ShadowParty newordern mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum auf den Spuren der 1980er Jahre.

Joint Venture: ShadowParty debütieren.

Joint Venture: ShadowParty debütieren.© Andrew Benge & Pierre Wetzel Joint Venture: ShadowParty debütieren.© Andrew Benge & Pierre Wetzel

Zunächst erinnerte alleine der Bandname ShadowParty nicht nur daran, dass einst in den 1980er Jahren popmusikalisch ein Weltschmerz regierte, der nicht selten tanzbar daherkam und in dem man es sich - Stichwort: wunschloses Unglück - wohlig einrichten konnte.

Er erinnerte auch an den Song "Shadowplay", der sich auf dem 1979 erschienenen Debütalbum "Unknown Pleasures" der ewigen Post-Punk-Heroen Joy Division befindet, die nach dem Suizid ihres Sänger Ian Curtis bekanntlich unter dem Namen New Order weitermachten - und bis heute synonym für eine Zauberformel an der Schnittstelle von Dancefloor, Popsong und Stromgitarrengebrauch stehen.

Goldener Boden

Insofern ist es nur konsequent, dass das transatlantisch zwischen Boston und Manchester operierende Band-Joint-Venture ShadowParty sein nun vorliegendes erstes Album mit dem Titel "ShadowParty" mit einem klar definierten, minimalistisch gehaltenen Coverdesign im Stile des New Orderschen Haus- und Hofgrafikers Peter Saville schmücken ließ. An vorderster Front gibt es schließlich auch personelle Verstrickungen zu verkünden.

Das von der Plattenfirma eher großzügig als "Supergroup" vorgestellte Quartett besteht neben Josh Hager und Jeff Friedl von den US-Artpop-Avantgarde-Spinnern Devo auch aus Phil Cunningham und Tom Chapman, die sich bei den späten New Order an Gitarre und Bass (hier als Lückenfüller für den freilich nicht ersetzbaren Peter Hook, mit dem die Band bis heute im Unfrieden lebt) verdingen.

Alle Mitglieder von ShadowParty verbindet, dass sie im Day Job bei den Stammbands die zweite Geige spielen und als Nesthäkchen erst lange, nachdem die großen Schlachten geschlagen, also die Meisterwerke und Albumklassiker veröffentlicht waren, ins Line-up gestoßen sind. Aber das macht nichts. Bei Aufnahmen im Studio und auf Tourneen im Zeichen des mit immerhin Spurenelementen neuen Materials abgerundeten Best-of-Sets kann zwischen Einsatz aus Liebe und Verehrung und den Fähigkeiten des Leih-Professionisten weiterhin vieles gelernt werden, wenn es um das Geschäft und seine Regeln, die Kunst oder etwa auch das Handwerk als goldenen Boden geht, der den Weg in die Zukunft weist.

Vor diesem Spannungsfeld lässt sich nun auch das Album "ShadowParty" hören, das zudem Gastauftritte des Gitarristen Nick McCabe (The Verve) und der ehemaligen Teilzeitsängerin von Primal Scream, Denise Johnson, beinhaltet - sowie Arrangements des britischen Komponisten Joe Duddell, der zuletzt federführend auch an jener New-Order-Show mit dem sperrigen Titel "‘(No,12k,Lg,18Wfw) New Order + Liam Gillick: So it goes . . ."
beteiligt war, die es gerade erst im Mai dieses Jahres im Rahmen der Wiener Festwochen im Museumsquartier zu erleben gab. Wir hören eine knapp 45-minütige Hommage, die Referenzen erweist und sich Zitate erlaubt, dabei aber nichts einfach nachbaut oder kopiert - und im Nachhall einer Ära mit gleichermaßen Leidenschaft und Routine propere Songs entwirft, die es vor allem an Ohrwurmmomenten nicht mangeln lassen.

Gelegentlich quengeln die Synthesizer in verspielt-käsiger Devo-Manier - oder es erinnert neben zirpenden Bassgrooves und schulterpolstrig gestimmten Funk-Gitarren ein lose eingestreuter Beat aus einer alten Drummachine an balearische Dancefloortage seinerzeit in Manchester in der Hacienda, dem Stammclub und erweiterten Wohnzimmer von Factory Records und New Order.

Catchy Refrains

Abseits der 1980er Jahre bieten Albumhöhepunkte wie etwa das mit taumelnden Streichern hübsch herbstlich eingefärbte "Marigold" aber schlicht auch zeitloses Songwriting, während die Band mit "Even So" ätherisch angehauchten Dreampop mit einem Stoßseufzer in die Welt entlässt oder dezente Britpop-Anklänge bei "Truth" via Zeitreise in die 1990er Jahre entführen.

Wahrscheinlich ist das Meisterstück des Albums aber "Reverse The Curse", das mit seinem maschinellen Synthie-Motiv unüberhörbar den Hut vor den Düsseldorfer Elektronikpionieren Kraftwerk ("Die Roboter") zieht und mit einem catchy Refrain auffährt, den, wäre er das Machwerk eines Fußballspielers, ORF-Moderator Thomas König als "unwiderstehlich" bezeichnen würde.

Veröffentlicht wird das Album übrigens auf Daniel Millers verdienstvollem Label Mute Records. Und was ist Mute Records übrigens auch? Korrekt, seit ihrem bisher letzten Album, dem 2015 erschienenen "Music Complete", die neue künstlerische Heimat von: New Order.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-03 16:20:22
Letzte Änderung am 2018-08-03 16:26:20



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