• vom 12.08.2018, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 13.08.2018, 13:59 Uhr

Pop

Trendstaubsaugen mit Pussy-Hauberl




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christina Böck und Andreas Rauschal

  • Am Donnerstag wird Madonna 60. Über die Jahre hat sich ein fescher Fundus an Facetten des Popstars angesammelt.

Das beseelte Muttchen ihrer Adoptivkinder aus Malawi ist Madonnas aktuelle Inkarnation. - © ap/Chikondi, Getty/Rasic

Das beseelte Muttchen ihrer Adoptivkinder aus Malawi ist Madonnas aktuelle Inkarnation. © ap/Chikondi, Getty/Rasic

Keine andere Popmusikerin wird so sehr mit regelmäßigen Selbst-Neuerfindungen verbunden wie Madonna. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag  präsentiert sie zwar vor allem ihr zurückgelehntes Dasein in Lissabon - als aufopfernde Adoptivmutter, die ihre Karriere für ihren fußballtalentierten Sohn, sagen wir einmal, abgebremst hat. Das ist freilich nur eine der Rollen, in die sich Madonna über die Jahrzehnte wie in eine Latexlegging gezwängt hat. Zum Jubeltag eine Rekapitulation.

Das ewige Girl

60 ist zwar das Alter, in dem man sich als gestandener Eisenbahner in Österreich noch im Jahr 2011 bereits seit gut und gerne sechs Jahren über seine Pension freuen konnte. So viel Zeit muss sein! Trotz eines sich abzeichnenden Trends zur mittlerweile etwas ruhigeren Karriereplanung sowie trotz ihrer nach Entspannung und Meer und einem ausgedehnten Pensionsantrittsurlaub klingenden aktuellen Wahlheimat in Portugal aber will Popstar Madonna nicht nur nicht an den Ruhestand denken. Die Frau, die in Österreich längst zwischen Sektfrühstück beim Meinl am Graben und Gelegenheitsauftritten in den Seitenblicken als Kammersängerin umgehen würde, vor der man auf der Straße untertänigst den Hut zu ziehen hat, ist ja noch nicht einmal auf die Idee gekommen, auch nur so etwas Ähnliches wie ein Alterswerk vorzulegen. Auch auf ihren bisher letzten Alben "MDNA" (2012) und "Rebel Heart" (2015) begegnete man einem ewigen "Girl" und einer selbstdeklarierten "Bad bitch" beim Champagner-Sippen und Discotanzen auf Stilettos im Trendclub. Gesetztere Ü50-Partys mit Taxitänzern in der Stadlbar gibt es wahrscheinlich in Gramatneusiedl und Mistelbach. Aber. Nicht. Mit. Ihr.

Die Sünderin

Die Jubilarin seinerzeit: im Spitzbusen-Spielhoserl.

Die Jubilarin seinerzeit: im Spitzbusen-Spielhoserl.© Getty Images Die Jubilarin seinerzeit: im Spitzbusen-Spielhoserl.© Getty Images

Ziemlich sicher liegt ein Hund auch darin begraben, dass Madonna eine katholische Erziehung genießen dürfen musste. Das ständige Sich-Reiben am Kreuze und das Kreuz mit den christlichen Symbolen im Verlauf ihrer Karriere legen es nahe - auch wenn es für Sohnemann Rocco im Jahr 2000 kein Erbarmen gab und dieser in einer schottischen Kathedrale dann erst recht wieder getauft wurde. Hier verpflichtet der zum Künstlernamen herangezogene eigene Taufname Madonna Louise Ciccone nach einst mit dem Blut Christi geschriebenen Naturgesetzen des Glaubens ebenso wie eine gewisse innere italienische Grunddisponiertheit. Dabei forderten katholische Würdenträger ihre Schäfchen noch lange vor der Hardcore-Phase Madonnas um Alben wie "Erotica" (1992), "Bedtime Stories" (1994) sowie den Bildband "Sex" zum Boykott der Künstlerin auf. Das war ab "Like A Virgin" (1984) und besonders auch in der "Like A Prayer"-Phase am Ende der 80er Jahre. Es scheint sich hier also um eine vergebende Madonna zu handeln.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-10 13:26:32
Letzte Änderung am 2018-08-13 13:59:41



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Schreiten im endlosen Dreh
  2. Deutsche Journalistin Mesale Tolu darf die Türkei verlassen
  3. 100 Bands auf zehn Bühnen im 9. Bezirk
  4. Der Mann, der es hot mag
  5. Die Büchertipps von Barack Obama
Meistkommentiert
  1. Lieber Ed, gib uns ein WC
  2. "Trump ermuntert Diktatoren"
  3. auf der prossen 3
  4. Der Abgrund unter der Blumenwiese
  5. Der Autor als Rebell


Quiz


Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand.

Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen. Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017.  Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern.


Werbung