• vom 26.08.2018, 16:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Anheimelnd wie Herbstnebel




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Von Bruno Jaschke

  • Die US-Band Death Cab For Cutie badet wieder in Melancholie.



Information

Death Cab For Cutie
Thank You For Today
(Atlantic/Warner)

Für Bands, die mit aufsehenerregenden Platten debütiert haben, mag Album Nummer zwei oder drei eine schwierige Übung sein. Bei einer Band wie Death Cab For Cutie, deren Uhr erst 2003 mit der vierten LP ("Transatlanticism") richtig zu laufen begann, verschiebt sich die Nagelprobe entsprechend nach hinten. Beeindruckend viele Male hat sie die derzeit als Quintett aktive Formation grandios gemeistert: Die auf "Transatlanticism" folgenden Werke "Plans", "Narrow Stairs" und "Codes And Keys" konnten allesamt das Niveau des Durchbruchsalbums halten, wenn nicht sogar in einigen Facetten (emotionaler Tiefgang, stilistische Vielfalt, dynamisches Gleichgewicht) übertreffen. Erst dem achten Album, "Kintsugi" von 2015, sind stellenweise gewisse Schöpfungswehen anzuhören, die nicht zuletzt dem Weggang des Gitarristen und Band-Produzenten Chris Walla ein Jahr davor geschuldet sind.

Vordergründig gibt sich auch das neue DCFC-Album, "Thank You For Today", sparsam an Höhepunkten. Der Opener, "I Dreamt We Spoke Again", wirkt zum Beispiel aufs Erste ziemlich blass - wie der Geist, mit dem der Protagonist im Traum gesprochen haben will. Songs dieses melancholisch-vergangenheitsseligen Kalibers hat die LP mit "Summer
Years", "Northern Lights" oder "You Moved Away" indes noch mehrere anzubieten. Und Schritt für Schritt, Stück für Stück bauen sie, mit zurückhaltenden Gitarren und verwehten Keyboards grundiert und von der im Moll-Bereich weltmeisterlichen Stimme von Songschreiber Ben Gibbard emporgehoben, eine Atmosphäre von Verlust und Unwiederbringlichkeit auf, deren anheimelnde Wehmut den Hörer umhüllt wie Nebel im Herbst.

Natürlich zeigt sich Gibbard auch seinem Ruf als aufmerksamer Chronist seiner Zeit verpflichtet: In "Gold Rush" - kompositorisch eigentlich einer der schwächeren Songs des Albums - geht er mit Schepper-Rhythmus und etwas verfremdeter Stimme in die Offensive, um die Gentrifzierung seiner Heimatstadt Seattle zu beklagen.

"60 & Punk" wiederum, als reduzierte Klavierballade angelegt, wirft die Frage nach dem "Altern in Würde" auf und kommt zu keinem gültigen Ergebnis.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 14:53:49
Letzte Änderung am 2018-08-23 15:26:25



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