• vom 27.08.2018, 16:28 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Festivalbericht

Tönende Risikogesellschaft




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Von Christoph Irrgeher

  • Mehr Abwechslung geht nicht: Drei musikpralle Tage beim Jazzfestival Saalfelden.

Magische Nachtmusik: Bassist Mark Helias und Cellist Erik Friedlander.

Magische Nachtmusik: Bassist Mark Helias und Cellist Erik Friedlander.© Matthias Heschl/Jazzfestival Saalfelden Magische Nachtmusik: Bassist Mark Helias und Cellist Erik Friedlander.© Matthias Heschl/Jazzfestival Saalfelden

Es wäre ein grausames, aber auch spannendes Experiment. Was würde geschehen, ließe man einen Menschen eine Woche lang nur den Einheitsbrei aus dem Formatradio hören und würde ihn dann zum Jazzfestival Saalfelden schicken? Die Versuchsperson dürfte wohl schon nach dem ersten Konzert musikalisch pappsatt von den neuen Eindrücken sein.

Freilich, Saalfelden fordert auch seine Stammgäste. 15 Konzerte an drei Tagen auf der Hauptbühne, ein jedes ein Tummelplatz der Töne, oft auch eine Mischzone der Stile. Rock und Elektronik, Afrobeat und Funk, Kammermusik, Free Jazz und Avantgarde wirbeln so wild durcheinander wie die Flocken einer Schneekugel. Saalfelden bildet gewissermaßen einen Gegenpol zum globalen Showbusiness, das sein Heil mehr und mehr in Reboots und Remakes sucht. Es ist eine tönende Risikogesellschaft, die im Salzburger Pinzgau alljährlich für ein (meist winterkaltes) August-Wochenende entsteht.


Vielfalt, die unterfordert
Risiko bedeutet freilich auch: Hier können Projekte krachend scheitern. So geschieht es Ulrich Drechsler am Freitagband. Der 49-Jährige, das sollte man dazusagen, ist ein Saxofonist von enormem Effektsinn, seine Musik hat als Appell ans Tanzbein Furore gemacht: Keiner hat die Club-Musik der Nullerjahre so sinnlich in Akustikjazz übersetzt wie Café Drechsler.

Nun hat Saalfelden den Deutschen aber mit einem Kompositionsauftrag bedacht, und Drechsler seine Ambitionen in die Höhe geschraubt. Seine "Liminal Zone", achtköpfig besetzt, versucht innerhalb einer Konzertstunde, die Musikmeere Klassik, Pop, Elektronik, World und Jazz zu erkunden. Nur leider: Es bleibt bei sehr seichten Besichtigungen. Das Klavier ergeht sich in Akkordbrechungen wie aus der Feder von Minimal-Musiker Philip Glass; die Koloratur-Gesänge erinnern an mondsüchtigen Enya-Pop; die Balladen, gesungen von FM4-Liebling Clara Luzia, wirken blass um den larmoyanten Mund; die Verlautbarungen einer Slam-Poetry-Frau erzählen vor allem von einem wortreichen Wollen. Möchte diese Musik ihrem Hörer Neuland erschließen, sollte sie kein Jazzfestival eröffnen, sondern zu einem Pop-Event übersiedeln.

In Protest-Hochform
Marc Ribot führt dem Freitag dann aber doch einen Höhepunkt zu. Der Altlinke an der Avantgarde-Gitarre ist dank Landsmann Donald Trump in der Protestform seines Lebens. Unterstützt von Rumpelrhythmen schwelgt er in Widerstandsliedern des Zweiten Weltkriegs und der Gegenwart. Ribot singt dies weniger als zu skandieren, reißt dazu - mal funky, mal versponnen - an der Gitarre, wie andere ein Huhn rupfen: furios.

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Festivalbericht, Saalfelden

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Dokument erstellt am 2018-08-27 16:38:49



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