• vom 02.09.2018, 16:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop

Ein Stück Frust-Abbau




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





Im Blues-angehauchten "Oh (You Lose Me)" bestimmt ein kräftiges Schlagzeug die Gangart, während das lebenshungrige "The Urge Of Night (Where I Go Next)" über die volle Länge von einem eleganten, fast klassisch anmutenden Gitarren-Lauf getragen wird. Die fragilen Momente gibt es natürlich auch noch: Leicht und etwas abgehoben schwebt Kovacs’ Stimme durch das federnde "Run", in dem die Protagonistin in den Dialog mit sich selbst tritt; "The Walk" wiederum zelebriert auf minimalstem Tempo innere Einkehr.

Vor der neuen Schmieds-Puls-Platte liegt chronologisch ein bemerkenswerter Seitensprung der Mira Lu Kovacs: Mit den Experimental-Musikern von Kompost 3 veröffentlichte sie im Vorjahr unter dem Namen 5kHD eine begeistert akklamierte Melange aus Free Jazz, Prog- und Noise-Rock, Funk und Ambient Music mit dem Titel "And To in A". Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit. "Mein Hirn spaltet sich gerade in fünf Teile, weil ich gerade mit 5k im Studio bin", lacht Kovacs. "Wir haben den Sommer Festivals in ganz Europa gespielt, und das macht viel zu viel Spaß, als dass das jetzt alles gewesen hätte sein können. Und da darf ich auch ganz anders sein. Ich bin nicht alleinige Frontfigur wie bei Schmieds Puls".

Der Titelsong der 5k HD-Platte, der meisterhaft die Abfolge der Substantive im Satz "A poet brings sense and order to words" variiert und sie schließlich weglässt, sodass eben "And To in A" überbleibt, scheint Kovacs eine weitere Dimension zu eröffnen: Ob sie sich vorstellen könne, ein Buch zu machen?

Kaugummiwienerisch

"Oh ja, würde ich gerne", bekennt sie. "Wobei meine Präferenzen weniger beim Erzählen als bei Sprachspielen liegen. Ich könnte mir einen Lyrics-Band mit ein paar deutschen Fetzen vorstellen."

Etwas überraschend, schließt Kovacs auch musikalisch ein Projekt auf Deutsch nicht aus: "Ich hab’ schon deutsche Lieder geschrieben, aber die haben mir nicht gefallen und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die deutsche Sprache mit meiner Art von Gesang nicht funktioniert. Mir taugt dieses Kaugummiwienerisch nicht, wie ich spreche, und Dialekt kann ich nicht. Aber es passiert gerade was in meinem Kopf, und vielleicht dauert es noch ein paar Jahrzehnte, und dann manche ich einmal was auf Deutsch."


zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-30 14:59:54
Letzte Änderung am 2018-08-30 17:31:31



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wirbel um Info-Sperre gegen kritische Medien
  2. Höllische Augenzeugen
  3. Michel Houellebecq heiratet in aller Stille
  4. Damals, als alles einfacher war
  5. Presse-Mail bringt Innenministerium unter Beschuss
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. Wirbel um Info-Sperre gegen kritische Medien
  3. Höllische Augenzeugen
  4. Punkt! .
  5. "Beleidigen ist zum guten Ton geworden"


Quiz


Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung