• vom 31.08.2018, 10:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 31.08.2018, 11:11 Uhr

Musik

Von Bodenturnern und ignoranten Österreichern




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Von Bruno Jaschke

  • Peter Hein über sein Album "Ein richtiges Leben in Flaschen".

Meldet sich mit einem neuen Album zurück: Die deutsche Band Family 5 mit Sänger Peter Hein (im Bild links oben). - © Andreas Hornoff

Meldet sich mit einem neuen Album zurück: Die deutsche Band Family 5 mit Sänger Peter Hein (im Bild links oben). © Andreas Hornoff

Am Anfang ist schlechte Laune. "Lass mich in Ruh - du!", geifert eine gereizte Stimme. Die Bläser stürmen los, die Gitarrenklänge verdichten sich zu Druckwellen - es ist nicht zu verkennen: die unbekannteste beste Band Deutschlands ist wieder da.

Eigentlich schienen Family 5, das Soul-Punk-Projekt, das Fehlfarben-Sänger Peter Hein und der Grazer Musiker, Autor und Journalist Xao Seffcheque in den frühen 80ern aus der Taufe gehoben hatten, längst Geschichte. 2016 aber meldete sich die Band mit dem Album "Was zählt" furios zurück. Nur zwei Jahre später erscheint ein weiterer Longplayer mit dem Titel "Ein richtiges Leben in Flaschen".

Band ohne Breitenwirkung

Die lange Auszeit nach dem Album "Wege zum Ruhm" (2004) hatte, sagt Sänger Hein im Interview, prosaische Gründe: "Hauptsächlich lag’s daran, dass niemand Budget zur Verfügung stellte".

Entstanden ist Family 5 auf genau die gleiche Weise wie Fehlfarben, erinnert sich Hein. "Am Anfang war da jeweils eine Single, die einfach anders sein sollte als das, was wir sonst gemacht haben. Und auf Grund dieser Singles entstand Nachfrage. Es war also eigentlich in beiden Fällen ein Witz, aus dem Ernst wurde".

Freilich blieb Family 5 eine Breitenwirkung, wie sie Fehlfarben durch ihren Monolithen "Monarchie und Alltag" (1980) erlangt haben, versagt. Die Musikszene allerdings wusste stets, was sie an ihnen hatte. Ihr Debütalbum "Resistance" von 1985, das heiße 5000 Stück verkaufte, hat die halbe Hamburger Schule beeinflusst. Ein Echo dieser Wirkung findet sich auf dem neuen Album in Form eines superben Covers des Sterne-Songs "In diesem Sinn". Eine weitere Coverversion bringt Kraftwerks Klassiker "Autobahn", interpunktiert von einem Einsprengsel der Stooges-Hymne "No Fun", auf Punk-Tempo.

Der LP-Titel "Ein richtiges Leben in Flaschen" ist natürlich eine Paraphrase auf Adornos berühmten Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen". Vermeintlich etwas respektlos, ist dieser Titel Ergebnis eines Kompromisses, denn Hein wollte "Flaschen" mit "V" schreiben lassen, kam damit aber bei der Plattenfirma Tapete Records nicht durch.

Wie "Was zählt" reflektiert "Ein richtiges Leben in Flaschen", musikalisch etwas vielseitiger in Szene gesetzt, den gesellschaftlichen Status quo und die privaten Befindlichkeiten der Zeit. "Der Zukunft kannst du nicht entkommen, die Zukunft kriegt dich irgendwann", kommentiert Hein lakonisch die epidemisch grassierende Zukunftsangst. Er selbst verspüre eine solche nicht, sagt der großgewachsene Sänger augenzwinkernd: "Ich habe meine Zukunft schon hinter mir. Die Bösen, die Deppen, die haben Schiss."




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Schlagwörter

Musik, Interview, Peter Hein

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-30 15:50:55
Letzte Änderung am 2018-08-31 11:11:04



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