• vom 08.09.2018, 13:00 Uhr

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Musik als Schmerzmittel




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Von Uwe Schütte

  • Jason Pierce schwebt mit seiner Band Spiritualized erneut durch den Kosmos.



Ein schöner Titel, den sich Jason Pierce für das achte Spiritualized-Album hat einfallen lassen: "And Nothing Hurt". Denn die Idee, dass Musik als Schmerzmittel fungieren kann, gehört ganz wesentlich zum künstlerischen Konzept seiner Band. Immerhin ließen Spiritualized einmal die zwölf Songs ihres Meisterwerks "Ladies And Gentlemen We Are Floating In Space" (1997) auf zwölf kleine Drei-Zoll-CDs pressen, die wie Pillen in einem großen Blisterpack eingeschweißt und in einer überdimensionierten Medikamentenverpackung verkauft wurden.

Information

Spiritualized
And Nothing Hurt
(Pias Coop/Rough Trade)

An dieses ihr Ausnahmealbum sind Spiritualized jedoch nie wieder herangekommen. Auf den vier Nachfolgealben, die in den letzten zwanzig Jahren erschienen sind, konnte sich Pierce aber immer wieder an sein geniales Songwriting herantasten, stellt doch selbst ein mittelmäßiger Spiritualized-Track noch vieles in den Schatten, was sonst so an Indie-Rock produziert wird.

Unverändert zu glänzen verstand die Band aber stets bei Liveauftritten, die an Intensität kaum ihresgleichen kennen. Wer lernen will, was es heißt, abzuheben und dabei doch auf dem Boden zu stehen, kann dies bei Konzerten der britischen Formation ganz wunderbar tun.

Die Alben der letzten Jahre liefern das musikalische Material dazu, sind aber als Studiowerke an sich nicht herausragend. Das gilt leider auch für "And Nothing Hurt". Dennoch ist die Platte natürlich Pflichtprogramm für alle Spiritualized-Fans und eine klare Empfehlung für alle, die es nicht stört, wenn es etwas bombastisch wird, ohne kitschig zu sein.

Herzschmerz, Sehnsucht und Euphorie mit Streichern und Bläsern in so grandiose Knaller wie "I’m Your Man" oder die Ballade "Damaged" zu verwandeln, das kann niemand so gut wie Pierce. Auf "On The Sunshine" kommt die bewährte Spacerock-Maschine der Band voll in Schwung und brettert in Sekunden von null auf hundert. Der Closer, "Sail On Through", entlässt uns dann nach einer neun Songs umfassenden Reise voller Pathos aus dem Spiritualized-Kosmos. Als Seelenbalsam funktioniert "And Nothing Hurt" ja doch abermals.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 15:15:01
Letzte Änderung am 2018-09-06 15:26:12



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