• vom 11.09.2018, 07:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 18.09.2018, 18:00 Uhr

Taiwan

Rockstar, Politiker, Dämon




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Dabei vertritt Lim Ansichten, die nicht einmal in seiner eigenen Partei unumstritten sind. "Wir sind Taiwanesen und gehören nicht zu China, wir sind ein eigenes Land. Für die junge Generation ist das keine Debatte mehr. Wir wollen unabhängig bleiben", sagt Freddy Lim - ein Standpunkt, den Peking als Provokation betrachtet. Die Volksrepublik sieht die Insel als abtrünnige Provinz und übt sowohl auf Taiwan als auch die internationale Gemeinschaft Druck aus. Kaum ein Staat unterhält noch diplomatische Beziehungen mit Taiwan. Auch die EU belegte Taiwans Staatsoberhaupt - derzeit Präsidentin Tsai Ing-wen (DPP) - mit einem inoffiziellen Einreiseverbot. Auf den alten Verbündeten, die USA, ist spätestens seit dem Amtsantritt von Donald Trump ebenfalls kein Verlass mehr. Die Zeit arbeitet gegen Taiwan, und viele Bewohner der Insel halten Lims Unabhängigkeitsbestrebungen für gefährlich. Sie fürchten sich vor einem Krieg mit China, und auch die Person Freddy Lim ist für sie eine Reizfigur, die von politischen Gegnern mitunter als "krank" und "geistesgestört" beschimpft wird.

Größtes Vorbild:
Dalai Lama

Auf solche Vorwürfe reagiert Lim, wie er es immer tut - ruhig und überlegt: "Taiwan ist die letzte Bastion der freien Welt in dieser Region. Wenn die Insel fällt, sind alle Demokratien in Asien in Gefahr. Deshalb müssen uns die anderen Demokratien aus ureigenstem Interesse weiter unterstützen." Ähnlich kämpferisch gibt er sich auf dem neuen Chthonic-Album "Battlefields of Asura", das im Oktober erscheinen wird und thematisch die politischen Reformbewegungen Asiens der 1920er Jahre aufgreift. Auf dem Album wird auch Denise Ho zu hören sein, die unbeugsame Freiheitskämpferin und Sängerin aus Hongkong. Lims größtes Vorbild ist jedoch der Dalai Lama. Von ihm habe er gelernt, dass ein wirklicher Politiker wahrhaftig bleiben und den Wert der kleinen Schritte erkennen müsse: "Die chinesische Regierung bezeichnet den Dalai Lama ja stets als ‚Dämon‘. Als ich ihn zum ersten Mal traf und ihm ein Promo-Foto meiner Band zeigte, musste er wegen meiner Kriegsbemalung lachen: ‚Anscheinend bist du der wahre Dämon, nicht ich!‘"

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 16:57:05
Letzte Änderung am 2018-09-18 18:00:30



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