• vom 13.09.2018, 17:15 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop

Der Kitt heißt Groove




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Rauschal

  • Debütalbum: Das Amadinda Sound System verbindet Musiker aus Österreich und Uganda.

Brückenschläge mit musikalischen Mitteln: das Amadinda Sound System stellt sich vor.

Brückenschläge mit musikalischen Mitteln: das Amadinda Sound System stellt sich vor.© Seayou Records Brückenschläge mit musikalischen Mitteln: das Amadinda Sound System stellt sich vor.© Seayou Records

Denkt man aktuell an Musik aus Uganda, kommt man um den Namen Bobi Wine nicht herum. Der 1982 als Robert Kyagulanyi Ssentamu geborene Sänger wurde nicht nur zu einem der Popstars des Landes, sondern als Homo politicus auch zu einer federführenden Kraft der in der Heimat unter dem seit 1986 an der Macht befindlichen autoritären Staatschef Yoweri Museveni gerade wieder mit heftiger Repression konfrontierten Opposition.

Information

Amadinda Sound System
The Black Pearl Tapes Vol. 1
(Seayou Records)

Im Jahr 2016 gelang Bobi Wine mit seinem zur Wahlkampfzeit veröffentlichten Song "Dembe" ("Freiheit") ein Hit, der nur als Plädoyer für Frieden und Zusammenhalt zu verstehen war. In den letzten Wochen hingegen sorgte der Mann mit seiner Verhaftung und einer Anklage wegen angeblichen illegalen Waffenbesitzes und Hochverrats für internationale Schlagzeilen - sowie vor allem mit Foltervorwürfen gegen das Regime, die dieses freilich dementierte.

Rural gefärbte Moderne

Zur reichen Musiktradition des Landes setzt die junge Generation einen betont heutigen Kontrapunkt. Eine verstärkte Hinwendung zu jamaikanischen Stilen zwischen Reggae und Dancehall sowie zu amerikanischem Hip-Hop leistete diesbezüglich ab den 1980er Jahren bereits wertvolle Vorarbeit. Die Demokratisierung des Produktionsprozesses mittels Software sowie die einfache Verbreitbarkeit von Tracks über das Internet trugen das ihre zur Professionalisierung einer Szene bei, die im Falle eines neuen Projekts jetzt auch mit österreichischem Konnex bei uns aufpoppt.

In Gang gesetzt und unterstützt von der Initiative Kulturen in Bewegung lädt das auf dem Wiener Label Seayou Records veröffentlichende Amadinda Sound System mit seinem aus wiederholten (Dienst-)Reisen und der Vorbereitung eines gemeinsamen Konzerts am Bayimba-Festival in der Hauptstadt Kampala hervorgegangenen Debütalbum "The Black Pearl Tapes Vol. 1" zum heiteren Brückenschlag.

Der auch als I-Wolf bekannte ehemalige Sofa Surfer Wolfgang Schlögl hat sozusagen den Damon Albarn gegeben. Gemeinsam mit Sängerin Barča Baxant ist er in Uganda aber nicht nur auf junge Rapper wie Tushi Polo, Sylvester Kabombo oder Qreaus getroffen, die seine auf der elektronischen Schaltkanzel exerzierten Clubmusik-Vermessungen auf zehn gemeinsam entwickelten Stücken noch durchwegs wesensverwandt ergänzen und bei den also Hip-Hop-affineren Stücken wie "Future Africa Pt. 1" eine unüberhörbare politische Komponente zwischen Reflexion des Ist-Zustandes und der Suche nach Möglichkeiten beimengen.

Ganz im Sinne des Kulturaustauschs und einer auf Augenhöhe erfolgten Fusion tatsächlich unterschiedlicher (Musik)-Welten kommen mit altvorderen Kräften natürlich auch Schlagwörter wie Tradition und Folklore und die damit verbundenden ruralen Noten ins Spiel.

Rhythmische Geschäftigkeit

Nicht von ungefähr geht auch der Projektname Amadinda Sound System auf Lawrence Okello zurück, der bereits in den 1990er Jahren mit dem auf Tanz, indigene Musik und die Tradierung von Wissen gebuchten Ensemble Ndere Troupe aktiv war und hier die Amadinda bedient.

Die pentatonisch gestimmte Version eines Xylophons aus dem Königreich Buganda ist auf der generell von rhythmischer Geschäftigkeit auf Basis von perkussivem Beiwerk und abgedunkelten Subbässen zu zirpenden Synthesizern und quengelnder Laptop-Elektronik für die Blitzhütte getragenen Arbeit allgegenwärtig. Musik ist bekanntlich eine international verständliche Sprache. Im konkreten Fall wird vor allem der Groove zum Kitt und zur Fugenmasse.

Außerdem hat man neben herzerwärmenden Gruppen- und akzentuierenden Call-and-Response-Gesängen, für die man sich aus einer Bandbreite von mehr als 40 in Uganda gesprochenen Sprachen dann doch auf Englisch und Luganda geeinigt hat, eine Bogenharfe gehört - und zum Abschluss mit dem besonders geerdeten "Waliwa" eine Art ugandische Zither. Nicht nur das "Vol. 1" im Albumtitel schreit nach Wiederholung.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-13 15:09:11
Letzte Änderung am 2018-09-13 15:55:38



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Starke Frauen kennen keine Tabus
  2. Vorarlberger verfehlten Sieg knapp
  3. "Standard" darf es in der "Gräfin" nicht schmecken
  4. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  5. Vorarlberger im Finale von "America's Got Talent"
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. Wieder Wirbel um Ministeriums-"Journalistin"
  3. Drama um Daniel Küblböck
  4. Punkt! .
  5. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"


Quiz


Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung