• vom 29.09.2018, 12:00 Uhr

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Pop

Ringen mit Reizen




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Von Bruno Jaschke

  • "Milde Sorte", das zweite Album von Benjamin Lageder alias Magic Delphin.



Man muss nicht mehr lautmalerisch betonen, was österreichischer Pop alles kann. Bei genauem Hinsehen ist in ihm allerdings eine gewisse Unterversorgung mit deutschsprachigem Pop-Rock im gehobenen Mainstreambereich zu konstatieren. Insofern bedient der 33-jährige Salzburger Benjamin Lageder mit Magic Delphin eine veritable Lücke.

Information

Magic Delphin
Milde Sorte
(Wohnzimmer/Rough Trade)

Lageder war Frontmann der (englischsprachigen) Rock-Gruppe The Pond Pirates, mit der er Konzertreisen nach Deutschland, Frankreich, Georgien und sogar China bestritt. Seit 2013 erkundet er als Karafiat die Möglichkeiten der Elektronik. Die Idee zu Magic Delphin wiederum kam Lageder, so verbreiten es Fama und Plattenfirma, auf einer mäßig appetitlichen Toilette in der Kopenhagener Freistadt Christiana, wo der Versuch einer Atlantik-Überseglung ein profanes Ende genommen habe.

Anfangs als Ein-Mann-Projekt gedacht, ist Magic Delphin eine richtige Band mit weitem stilistischem Aktionsradius geworden. Lageders etwas abgedunkelter, öfters ins Falsett kippender Gesang, gelegentliche Saxofoneinlagen und flächige Orgeln lassen an Soul und R&B denken, während andernorts forsche Gitarren die Rocksau durchs Dorf treiben und eine Ahnung von Psychedelik in die mehrheitlich mittelschnellen Songs eingebracht wird. Im "Intro" des neuen, zweiten Magic-Delphin-Albums treffen sich alle diese Elemente zu einem Rendezvous von 55 Sekunden Länge.

Überfülle vermitteln auf "Milde Sorte" auch Lageders Texte: Oft muten sie an wie ein Ringen mit zu vielen gleichzeitig auf den Protagonisten einstürzenden Impressionen und Reizen. Stück für Stück fügen sich kurze Szenarien aus Beziehungen, leise Ahnungen von Coming-to-Age-Depression und Momenten klaren Erkennens zu einer existenziellen Innen- und Ausschau. "Wir haben uns verloren / mir tut mein Leben leid", so heißt es in der schönen, von einer Orgel durchzogenen und am Ende noch ordentlich mit Gitarren aufgedonnerten Ballade "Alle Farben".

In sehr expliziter, aber nicht im Mindesten vulgärer Sprache schildert Lageder, "Was Menschen so machen". Am Ende, in "Schlafen gehen", steht der Rückzug vor der Welt und ihren Aufregungen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-27 15:18:21
Letzte Änderung am 2018-09-27 15:30:50



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