• vom 10.03.2017, 08:30 Uhr

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"Ich hätte es mir leichter machen können"




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Von Katharina Schmidt

  • Der Notarberuf ist im Wandel: Derzeit sind Frauen noch Exoten, doch das wird sich bald ändern. Besuch bei einer Notarin.

Patricia Schuller-Köhler: Notarinnen sind heute keine Exotinnen mehr. - © Stanislav Jenis

Patricia Schuller-Köhler: Notarinnen sind heute keine Exotinnen mehr. © Stanislav Jenis

Wien. Es sind die Urururgroßeltern an der Wand, auf die der Blick als Erstes fällt. In dem modern renovierten Büro ziehen die beiden Ölgemälde sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Sie waren nicht Notare, sondern besaßen eine Sektkellerei. Familienbesitz, der in der nächsten Generation verloren ging. "Sie erinnern mich an das Wesen des Notarberufs: die Veränderung und Vergänglichkeit von Lebenssituationen", sagt Patricia Schuller-Köhler.

2011 hat sie die Notarstelle ihres Vaters in der Kanzleigemeinschaft in der Wiener Donaustadt übernommen - und ist damit so etwas wie eine Exotin ihrer Zunft: Von den österreichweit 506 Notarstellen sind nicht einmal zehn Prozent mit Frauen besetzt, in Tirol, Vorarlberg und dem Burgenland gibt es keine einzige weibliche Notarin. Das mag auch mit der langen Wartezeit zusammenhängen - schon einmal 20 Jahre kann es dauern, bis ein Notariatskandidat eine der wenigen gesetzlich reglementierten Stellen ergattert. Sieben Jahre "Lehrzeit" bei einem Notar sind neben Jusstudium und zwei Notariatsprüfungen die Mindestanforderung, um sich überhaupt für eine Stelle bewerben zu dürfen. Neben dem Dienstalter sind bei der Bewerbung für eine der öffentlich ausgeschriebenen Stellen auch Zusatzausbildungen und Engagement für den Stand ausschlaggebend. Familienfreundlichkeit sieht anders aus.


Das dachte sich auch Schuller-Köhler, die nach dem Studium eigentlich schon eine fixe Zusage für einen Juristenposten bei der Stadt Wien hatte. "Das wäre keine große Herausforderung gewesen, aber ein sicherer Beamtenjob, mit allen Karenz- und Teilzeitmöglichkeiten." Dass sie sich dann doch für das Notariat entschied, hatte auch mit der Struktur der Gemeinschaftskanzlei zu tun - insgesamt vier Notare arbeiten an dem Standort, da kann schon einer einmal für den anderen einspringen. "Das hilft auch den männlichen Kollegen", sagt Schuller-Köhler. Wenn ein Notar alleine ist und krank wird, ist es schwierig, Ersatz zu finden.

Zwölf Frauen in drei Bundesländern
1995 trat sie als Notariatskandidatin in die Kanzlei ein - mit einem noch größeren Exotenstatus als heute. "Damals gab es in der Kammer eine Frauenrunde mit allen Notarinnen und Kandidatinnen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Wir waren zu zwölft." Zu dieser Zeit war auch keinerlei Absicherung für Mütter vorhanden: Zwar durften auch Notariatskandidatinnen den gesetzlichen Mutterschutz von 16 Wochen nicht umgehen, eine Regelung über das Wochengeld, also den Ersatz für den Verdienstentgang, gab es aber nicht. "Der Mutterschutz musste eingehalten werden, aber das Wochengeld musste der Arbeitgeber zahlen - oder auch nicht, denn es gab ja keinen Kollektivvertrag", erzählt Schuller-Köhler.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-09 16:15:05
Letzte Änderung am 2017-03-09 16:24:04


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