• vom 15.11.2018, 17:34 Uhr

Recht

Update: 15.11.2018, 18:59 Uhr

Compliance

Je größer, desto regeltreuer




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Martin Eckel und Julia Lörincz

  • Bei Compliance, also der Regeltreue eines Unternehmens, unterscheiden Gesetze nicht nach dessen Größe.




© Adobe/nanuvision © Adobe/nanuvision

Vor kurzem veröffentlichte das Compliance-Netzwerk von LexisNexis, dessen Netzwerkpartner Taylor Wessing ist, den Compliance Praxis Survey 2018 (CoPS 2018). Im Zentrum dieser Studie stand die Frage: "Wie compliant sind österreichische Unternehmen und Organisationen?" Basierend auf Daten von - für diese erste Umfrage respektable - rund 250 Teilnehmern, liefert die Studie nun umfassende Ergebnisse im Hinblick auf bevorzugte Instrumente, verfügbare Ressourcen und die verschiedenen Organisationsformen von Compliance-Management-Systemen.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass Compliance derzeit (noch) stark von der Unternehmensgröße abhängig ist. Während Compliance-Systeme bei Großunternehmen längst zum Standard zählen, spielt das Thema Compliance bei klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit weniger als 100 Mitarbeitern keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Dies spiegelt sich vor allem in den im Rahmen des CoPS 2018 befragten Teilnehmern wider, da Großunternehmen mit knapp 80 Prozent stark überrepräsentiert sind. Die Ergebnisse zeigen weiters, dass, selbst wenn Compliance-Systeme in KMU implementiert wurden, die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen sehr beschränkt sind. KMU hinken also in Bezug auf Compliance deutlich hinterher.

Martin Eckel ist CEE Head of Compliance und Competition, EU & Trade bei Taylor Wessing.

Martin Eckel ist CEE Head of Compliance und Competition, EU & Trade bei Taylor Wessing.© David Sailer Martin Eckel ist CEE Head of Compliance und Competition, EU & Trade bei Taylor Wessing.© David Sailer

Zurückzuführen ist dies wohl in erster Linie auf die von KMU nach wie vor weit verbreitete Meinung, dass Compliance nur Großunternehmen betrifft und für KMU keine Notwendigkeit besteht, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Diese Meinung gründet vor allem im Irrglauben, dass Behörden nur die Verfolgung der "Großen" zum Ziel haben. Im Hinblick auf das vermeintlich geringe Risiko einer Strafverfolgung unterbleiben entsprechende Schritte zur Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben.

Gesetzesdichte nimmt zu

Julia Lörincz ist Rechtsanwaltsanwärterin im Team von Martin Eckel.

Julia Lörincz ist Rechtsanwaltsanwärterin im Team von Martin Eckel. Julia Lörincz ist Rechtsanwaltsanwärterin im Team von Martin Eckel.

Fest steht jedoch, dass auch KMU sich dem Thema Compliance widmen müssen, da Gesetze nicht nach der Unternehmensgröße unterscheiden und somit KMU nicht gegen Strafverfolgungen immun sind. Die Gesetzesdichte nimmt zu, und die Bestimmungen gelten für Großunternehmen wie auch für KMU in der Regel gleichermaßen.

Die Erfahrung aus der jüngeren Vergangenheit zeigt, dass KMU verstärkt in den Fokus der Verfolgungsbehörden wie der Bundeswettbewerbsbehörde gerückt sind. Dabei ist zu bedenken, dass die Konsequenzen fehlender Compliance-Systeme eine viel weitreichendere Wirkung haben können als für Großunternehmen. Wie die Gesetze, so sind auch die potenziellen Konsequenzen von Regelverstößen für alle gleich und somit natürlich auch für Großunternehmen schmerzhaft. Für KMU können Sanktionierungen wie Geldbußen und damit einhergehende Imageschäden aber schnell zur Existenzbedrohung werden.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-15 17:46:21
Letzte Änderung am 2018-11-15 18:59:43


Werbung




Werbung