• vom 06.12.2018, 15:38 Uhr

Recht

Update: 06.12.2018, 21:50 Uhr

Immobilienrecht

Günstigere Mieten mit Online-Portalen?




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Von Nevena Shotekova-Zöchling

  • Die im Erfolgsfall einbehaltenen Beträge mancher Organisationen stehen in keiner Relation zu den tatsächlich erbrachten Leistungen.




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Die Praxis zeigt, dass viele Mieter derzeit von diversen Organisationen mittels Werbung oder auch gleich aktiv darauf angesprochen werden, ihren Mietzins dauerhaft zu senken. Diese Organisationen, meistens in Form von Internet-Portalen, übernehmen dann die Vertretung des Mieters im Verfahren vor der Schlichtungsstelle (in Wien die Magistratsabteilung 50), begleiten ihn durch den Verfahrensablauf und - zumindest manche von ihnen - behalten einen Teil des erstrittenen Betrages als Erfolgshonorar zurück.

Was an sich eine gute Idee zwecks Unterstützung der Mieter vor allem im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetztes darstellt, hat sich in der Praxis etwas über das Ziel hinaus entwickelt. Die Erfahrung zeigt, dass die Mieter manchmal aktiv mittels eigener Mitarbeiter, die an der Wohnungstür klingeln, angesprochen werden. Die im Erfolgsfall einbehaltenen Beträge mancher Organisationen belaufen sich auf etwa 30 Prozent des erstrittenen Betrages, wobei dies bei höheren Beträgen in keiner Relation zu den tatsächlich erbrachten Leistungen steht.

Verfahren vor Schlichtungsstelle kostenlos

Daher ist es umso wichtiger, zu betonen, dass das Verfahren vor der Schlichtungsstelle kostenlos ist. Ebenso fallen keinerlei Gebühren in diesem Verfahren an, und das einzuholende Bewertungsgutachten von den Amtssachverständigen erfolgt ebenfalls kostenlos für den Mieter. Die Überschreitung des angemessenen Mietzinses beziehungsweise des Richtwertmietzinses wird dann vom jeweiligen Verhandlungsleiter der Schlichtungsstelle selbst festgestellt und der Vermieter im Falle einer Überschreitung zur Rückzahlung verpflichtet.

Abgesehen von Sonderfällen, in denen das Verfahren über den üblichen Ablauf hinausgeht, ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieses Verfahren aus sozial-politischen Gründen eigentlich zur Unterstützung der Mieter eingeführt wurde und ein wichtiges Instrument zwecks finanziellen Ausgleichs für den einzelnen Mieter darstellt. Aus diesen Gründen wurde eben die völlige Befreiung von Gebühren eingeführt, damit der einzelne Mieter die einfache Möglichkeit bekommt, seinen Mietzins auf seine Angemessenheit zu überprüfen und eventuell zu reduzieren.

Da das Verfahren jedem Mieter offen steht und ziemlich formlos abläuft, ist daher festzuhalten, dass ein Erfolgshonorar von 30 Prozent des erstrittenen Mietzinses sehr hoch ausfallen kann. Besonders bei zum Beispiel befristeten Verträgen, bei denen Überschreitungsbeträge bis zu zehn Jahre zurück ausbezahlt werden können, ist dies nicht mehr angemessen. Das Erfolgshonorar, die sogenannte Quota Litis, war bereits zu Römerzeiten bekannt, ist ziemlich populär in den USA und in Österreich - aus guten Gründen - für Rechtsanwälten explizit verboten.




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Dokument erstellt am 2018-12-06 15:49:51
Letzte Änderung am 2018-12-06 21:50:36


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