• vom 01.03.2018, 17:24 Uhr

Recht

Update: 19.03.2018, 14:05 Uhr

Junge Anwälte

Die Luft für Anwälte wird immer dünner




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Von Petra Tempfer

  • Der Konkurrenzdruck auf junge, selbständige Rechtsanwälte ist gestiegen.



Wien. Die Anzahl der Jus-Studienabsolventen steigt rapide an. Schlossen 2005/06 noch 1454 das Studium der Rechtswissenschaften ab, waren es zehn Jahre später laut Statistik Austria bereits 2115. Dementsprechend hat sich freilich auch die Anzahl der abgelegten Rechtsanwaltsprüfungen erhöht. Im Vergleich zu 2006, als diese bei 390 lag, waren es 2016 schon 445.

Derzeit gibt es in Österreich rund 6200 Rechtsanwälte (2006: 4986), etwa 20 Prozent von diesen sind Frauen, und 2200 Rechtsanwaltsanwärter. Im Vorjahr gab es 324 Neueintragungen von Rechtsanwälten, so der Österreichische Rechtsanwaltskammertag (ÖRAK) - erst durch diese sind die jungen Anwälte berechtigt, eine Kanzlei selbständig zu führen.

Für die Anwälte bedeutet diese Entwicklung, dass der Konkurrenzdruck gestiegen ist. Aufgrund des hohen Risikos und der steigenden Mieten gründeten daher immer weniger Anwälte eine eigene Kanzlei, sagt ÖRAK-Präsident Rupert Wolff. Der Trend gehe in Richtung Kanzleigemeinschaften. Arbeit gebe es zwar genug, "solange unsere Politik mehr und mehr Gesetze produziert", so Wolff. Unter den Anwälten kristallisiere sich aber die Tendenz zu zunehmender Spezialisierung heraus, die man für den Großteil der Fälle wie Scheidungen oder Namensänderungen nicht brauche, gibt Wolff zu bedenken.

Die "Wiener Zeitung" hat junge Anwältinnen und Anwälte zu ihrem Weg in die Selbständigkeit befragt - und tatsächlich setzen diese auf Spezialisierung. Als aufwendiger als gedacht sei die Administration, zudem vergehe viel Zeit, bis man so viele Mandanten habe, dass man von den Einnahmen leben könne, so die jungen Selbständigen, von denen trotz allem keiner seinen Schritt bereut.

Christoph Krones.

Christoph Krones.© privat Christoph Krones.© privat

MMag. Christoph Krones, 32 Jahre alt. Seit Mitte 2016 Rechtsanwalt, seit Mitte 2016 selbständiger Rechtsanwalt, der sich mit einem Kollegen eine Kanzlei in Wien teilt. Im Bereich des Zivil- und Zivilverfahrensrechts zählen das Verkehrs-, Flug- und Reiserecht zu seinen Spezialgebieten.

"Jede Selbständigkeit ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Der Druck und die Konkurrenz sind groß, und man muss Nischen finden - wie in meinem Fall das Verkehrs- und Reiserecht, bei dem der Markt allein durch die Elektromobilität immer größer wird. Aber: Den Mutigen gehört die Welt. Wirklich wichtig ist, dass man sich detailliert vorbereitet. Ich habe zum Beispiel Gespräche mit der Rechtsanwaltskammer Wien und meiner Bank geführt und einen nachvollziehbaren Businessplan erstellt.

Worauf man sich aber nicht vorbereiten kann, ist, welche Mandate man bekommt. Ein paar Mandanten konnte ich mitnehmen, ein paar kamen durch Empfehlungen, durch Mundpropaganda. Mir kommt vor, dass die Hemmschwelle für jüngere Personen, zu einem zu kommen, nicht so hoch ist, wenn man selbst jung ist. Jüngere wollen ihren Fall vielleicht lieber einem jungen Rechtsanwalt geben, weil dieser ,mehr Biss‘ hat.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-01 17:29:53
Letzte Änderung am 2018-03-19 14:05:31


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