• vom 15.03.2018, 16:28 Uhr

Recht

Update: 15.03.2018, 17:19 Uhr

Rechtskommentar

Eigentlich sind wir anders - wir kommen nur noch nicht dazu




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (31)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ingo Dieter Joham

  • Für junge Anwälte ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtiger als Luxus - mit den Leistungsanforderungen in den Kanzleien ist das per se allerdings nicht vereinbar.

- © Fotolia/fotomek

© Fotolia/fotomek



Was waren das für Zeiten, als Leistung noch der Garant für Partnerwürden war. Der anwaltliche Ritterschlag in Form der (Equity-)Partnerschaft galt vielen Juristen früherer Generationen als Motivator, sich die Nächte in den heiligen Hallen heimischer Anwalts- und Wirtschaftstreuhandkanzleien um die Ohren zu schlagen. Auch so sicher wie das Amen im Gebet war der Lohn für all die Mühen: Gesellschaftliches Renommee, mehr Macht, ein eigenes Team und das Abonnement, in der Partner-Riege Platz nehmen zu dürfen. Ein angenehmer Nebeneffekt des puritanischen Arbeitsethos: Mehr Geld. Gleichzeitig aber auch weniger Zeit, sich dem Anhäufen materieller Statussymbole zu widmen.

Zu einer Zeit, als es die Begriffe "Work-Life-Balance" und "Quality-Time" noch gar nicht gab, führte an dieser Idealvorstellung für die Babyboomer und für weite Teile der Generation X kein Weg vorbei. Bei der Generation Y sorgt dieses Mantra der (anwaltlichen) Arbeitswelt indes für Kopfschütteln. Die Prioritäten haben sich in den vergangenen Jahren fundamental verschoben: "Life" schlägt "Work" um Längen. Der neue Luxus dieser Generation heißt Zeit. Die Rolle der harten materiellen Anreize? Nicht unwichtig, aber eher "nice to have". Wichtiger als funkelnder Luxus ist eine sinnstiftende und flexibel gestaltbare Arbeit, die noch dazu eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleistet.


Im Kampf um Talente steigen die Einstiegsgehälter seit Jahren
Dass dieses Lebenskonzept der Generation Y mit den Leistungsanforderungen der Kanzleien per se nicht kompatibel ist, versteht sich von selbst. Wo selbst von blutjungen Berufseinsteigern 1200 Billable Hours, also abrechenbare Arbeitsstunden pro Jahr, und mehr gefordert werden, da bleiben die Life-Balance-Bedürfnisse einer Generation auf der Strecke.

Was fällt vielen Kanzleien ein? Im verzweifelten Kampf um junge Nachwuchstalente sind die Einstiegsgehälter seit Jahren im Steigen begriffen. Währenddessen nämlich Anfang der Zehnerjahre selbst mit einwandfreier akademischer und (prä-)beruflicher Vita selten an der 42.000-Euro-Jahresmarke gekratzt wurde, beobachten wir mittlerweile mehr als 15 Wirtschaftsanwaltskanzleien am heimischen Markt, die mehr bezahlen. Selbst Gehälter über 48.000 Euro stellen keine Seltenheit mehr dar.

Doch die Strategie der üppigen Remuneration ist wenig nachhaltig und touchiert des Pudels Kern lediglich. Das deckt sich auch mit der aktuellen Juve-Bewerberumfrage, die sich der Top-Arbeitgeber für Rechtsanwaltsanwärter angenommen hat: 79 Prozent aller Nachwuchsadvokaten wünschen sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeit. Gleichzeitig geben sie den Kanzleien genau bei diesem Punkt die schlechtesten Bewertungen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-15 16:33:55
Letzte Änderung am 2018-03-15 17:19:00


Werbung




Werbung