• vom 29.03.2018, 16:27 Uhr

Recht

Update: 29.03.2018, 19:24 Uhr

Bilanzrecht

Unternehmen in der Krise




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Von Anton Schmidl

  • Ein aktuelles Fachgutachten schafft mehr Klarheit im "Going-Concern-Dilemma", wonach bei der Bewertung von Bilanzposten von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen wird.



Unternehmertum bedeutet Risiko, wie spektakuläre Pleiten wie jene von Niki zeigen.

Unternehmertum bedeutet Risiko, wie spektakuläre Pleiten wie jene von Niki zeigen.© apa/dpa/Jensen Unternehmertum bedeutet Risiko, wie spektakuläre Pleiten wie jene von Niki zeigen.© apa/dpa/Jensen

Unternehmertum bedeutet Risiko - das zeigen nicht zuletzt die jüngsten spektakulären Pleiten der Republik, angefangen von Niki bis hin zu Forstinger und Svoboda. Ohne unternehmerisches Risiko gäbe es aber auch keine Marktwirtschaft. Genau in diesem Zwiespalt befindet sich die Geschäftsführung bei der Aufstellung des Jahresabschlusses, wenn sich das betreffende Unternehmen in der Krise befindet.

In Österreich herrscht generell einige Verwirrung und Vermischung von Bilanzrecht und Insolvenzrecht. Obwohl nach Bilanzrecht eigentlich von der Fortführung des Unternehmens als Postulat auszugehen ist, war bislang das Insolvenzrecht eher maßgeblich. Dies ist deshalb problematisch und widersprüchlich, weil das Insolvenzrecht generell risikoavers und auf Verwertung des Vermögens sowie Gläubigergleichstellung gerichtet ist, wohingegen das Bilanzrecht als Teil des Unternehmensrechtes die Risken- und Chancenaffinität von Unternehmern betont.

Information

Anton Schmidl ist Partner der SOT im internationalen Netzwerk von Crowe Horwath und Leiter der Arbeitsgruppe Going Concern des Fachsenats für Unternehmensrecht sowie Lektor an der WU Wien und Universität Klagenfurt. SOT
Anton Schmidl.

Anton Schmidl.© Daniela Vallant Anton Schmidl.© Daniela Vallant

Mehr Klarheit schafft nun das Ende 2017 verabschiedete Fachgutachten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder: Hier wird auch auf die Verpflichtungen und Möglichkeiten der Darstellung der Situation des Unternehmens im Anhang hingewiesen. Bestehen erhebliche Zweifel an der Unternehmensfortführung (zum Beispiel bei negativem Eigenkapital) und ist ein Abgehen von Fortführungswerten noch nicht notwendig, so sind die wesentlichen Unsicherheiten im Hinblick auf die Unternehmensfortführung anzugeben.

Enthaftung in schwierigen Unternehmenssituationen

Diese Anhangangabe stellt die Manifestation der Ex-ante-Beurteilung des Abschlussaufstellers dar und dient damit im weitesten Sinne auch der Enthaftung in schwierigen Unternehmenssituationen. Nach dem Grundsatz: "Wer schreibt, der bleibt" sind also ausführliche Anhangangaben in Verbindung mit der Krisensituation im Jahresabschluss geboten und sinnvoll.

Das Gutachten schlägt in dieselbe Kerbe wie ein viel beachtetes Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) Anfang letzten Jahres: In dem Urteil des obersten deutschen Bundesgerichts, das nach der Insolvenz eines Unternehmens die Aufklärungspflicht des Steuerberaters sowie dessen Erstellung des Jahresabschlusses bekrittelt, wird der redliche Bilanzersteller beziehungsweise Steuerberater entlastet - so paradox das klingen mag. Der BGH unterscheidet nämlich klar zwischen Insolvenzrecht und Unternehmensrecht. Zu unterscheiden ist demnach der Begriff der Fortbestehensprognose als insolvenzrechtliches Instrument zur Verneinung einer Überschuldung von dem Begriff der Fortführungsprognose, der für bilanzrechtliche Gegebenheiten die Fortführungsprämisse untermauert. Es wird weiters auch festgehalten, dass das "Going-Concern-Prinzip" und damit die Bilanzierung zu Fortführungswerten solange gilt, solange eine Fortführung nicht in hohem Maße unwahrscheinlich erscheint.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-29 16:34:01
Letzte Änderung am 2018-03-29 19:24:42


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