• vom 13.09.2018, 12:36 Uhr

Recht

Update: 13.09.2018, 16:39 Uhr

Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz

Nachhaltig ist nur die Geschäftemacherei




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Von Josef Baumüller

  • Unternehmen der EU sollen zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung motiviert werden, indem sie über ihr Tun in sensiblen Bereichen transparent Rechnung legen müssen.

Die zugrunde liegende Idee ist jene des "Naming and Shaming" - des Anprangerns.

Die zugrunde liegende Idee ist jene des "Naming and Shaming" - des Anprangerns.© WZ/Moritz Ziegler Die zugrunde liegende Idee ist jene des "Naming and Shaming" - des Anprangerns.© WZ/Moritz Ziegler

"Accountants Can Save the World" ("Buchhalter können die Welt retten"): So lautete der Titel in einem Fachjournal zu einem Interview, das ich vor einigen Jahren mit dem Harvard-Professor Robert G. Eccles, einem Vordenker auf dem Gebiet der nichtfinanziellen Berichterstattung, führen durfte. Auch wenn dies auf den ersten Blick verwunderlich klingt: Tatsächlich liegen innerhalb der Europäischen Union große Hoffnungen auf der Rechnungslegung von Unternehmen, entscheidende Beiträge zu einer besseren, gar: "nachhaltigeren" Welt- und Wirtschaftsordnung zu leisten. Anfang dieses Jahres formulierte das die Kommission erneut deutlich in ihrem "Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums".

Die zugrunde liegende Idee ist jene des "Naming and Shaming": Unternehmen sollen zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung motiviert werden, indem sie über ihr Tun in aus gesellschaftlicher Sicht sensiblen Bereichen transparent Rechnung legen müssen - vor den Augen ihrer Eigentümer, Kunden und NGOs. Denn mit einer bekannten Metapher ausgedrückt gilt wohl: "Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel".


"Nichtfinanzielle Leistung"
Einen Meilenstein dieser Entwicklung stellte die "NFI-Richtlinie" (2014/95/EU) dar, die in Österreich Ende 2016 durch das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) seine Umsetzung erfuhr. In einem noch nicht dagewesenen Umfang wurden bestimmte große Unternehmen und Konzerne verpflichtet, umfassend Rechenschaft über ihre "nichtfinanzielle Leistung" (der bilanzrechtlichen Übersetzung von "Nachhaltigkeitsleistung") abzulegen - nach einer einheitlichen Rechtsgrundlage und unter Androhung gravierender haftungs- und strafrechtlicher Sanktionen.

Josef Baumüller ist Dissertant am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Uni Wien, Mitarbeiter an der WU Wien und Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen. Er beschäftigt sich mit Fragen der finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen.

Josef Baumüller ist Dissertant am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Uni Wien, Mitarbeiter an der WU Wien und Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen. Er beschäftigt sich mit Fragen der finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen.© privat Josef Baumüller ist Dissertant am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Uni Wien, Mitarbeiter an der WU Wien und Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen. Er beschäftigt sich mit Fragen der finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen.© privat

Dabei ist es vor allem der Aufsichtsrat, dessen Verantwortung für die Sicherstellung einer hohen Berichtsqualität in den Fokus gerückt wurde, um dem Thema in den Organisationen weiteren Vorschub zu leisten. Die Euphorie war anfangs groß, man sprach von einem "Paradigmenwechsel". Doch was nach zahllosen Verhandlungsschleifen auf EU-Ebene und einem geradezu fahrlässigen Transformationsprozess durch das Justizministerium blieb, ließ einzig Enttäuschung übrig: Formal fehlerhafte und inhaltlich unbestimmte Rechtsanforderungen werfen auch heute noch mehr Fragen auf, als sie Leitlinien zu geben vermögen. Kurzum: eine vergebene Chance schon auf dieser Ebene.

Unternehmen innerhalb der EU sahen sich in ihrer heurigen Berichtssaison erstmalig damit konfrontiert, die genannten Gesetzesbestimmungen umzusetzen; die ersten Resultate lassen sich bereits auf den Homepages begutachten. Und an dieser Stelle wird die an sich so zukunftsweisende Entwicklung endgültig zu einem Fiasko: In der Praxis herrscht eine unübersichtliche Vielfalt an Zugängen zur Berichterstattung vor, die eine Vergleichbarkeit unmöglich macht und zugleich an den entscheidenden Punkten mehr zu verschweigen denn offenzulegen scheint.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-13 12:48:10
Letzte Änderung am 2018-09-13 16:39:10


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