• vom 10.08.2010, 15:37 Uhr

Tarock

Update: 10.08.2010, 16:58 Uhr

Ein interessanter Fund

Altes Buch gibt Aufschluss über Geschichte des Tarockspiels




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Von Robert Sedlaczek & Wolfgang Mayr

Ein lange Zeit nicht auffindbares Tarockbuch aus dem Jahr 1827 lässt die Entwicklung des österreichischen Nationalspiels in einem neuen Licht erscheinen.


Die 2. Auflage der "Anweisung zur gründlichen Erlernung des beliebten Tarok-Tappen- Spiels ... herausgegeben von einem genauen Kenner" ist seinerzeit bei Carl Haas in Wien erschienen. Ein Exemplar davon hat über viele Umwege jetzt den Weg nach Österreich gefunden.

Tarock-Tappen ist ein Spiel zu dritt, entweder mit 54 oder mit 42 Karten. Es stellt eine wichtige Innovation bei der Entwicklung des Spiels dar, denn zuvor war mit 78 Karten gespielt worden. Das muss ziemlich mühsam gewesen sein. Aus dem Kartenspiel Hombre hat man eine interessante Neuerung ins Vierertarock aufgenommen: Es werden wechselnde Partnerschaften gebildet, wobei der Spielaufnehmer einen König ruft, den er selbst nicht im Blatt hat. Wer den König hat, ist der Partner des rufenden Spielers.

Aus Literaturhinweisen wusste man, dass der erste Beleg dieses Königrufens in der 2. Auflage der "Anweisung" zu finden sein muss. Das einzig greifbare Exemplar befand sich jedoch kurioserweise im "Zoll- und Steuermuseum" in Rotterdam - und als wir dort nachfragten, wollte man nicht einmal eine Fotokopie des Buches herausrücken.

Erst im Frühjahr 2010 war das Museum bereit, das Exemplar zu verkaufen: Es ging an die Niederösterreichische Landesbibliothek, St. Pölten. Wie hat die Urversion des Königrufens funktioniert?

Es gab neben dem Königrufer bereits einen Dreier und einen Solodreier. Der Spielaufnehmer nimmt verdeckt die oberen drei Karten des Talons auf. Es ging auch darum, den gerufenen König heimzubringen. Wer es nicht geschafft hat, musste eine Strafprämie zahlen. Gezählt wurde nicht in Dreierlagen mit Zwei-Punkte- Abzug, sondern jede Karte einzeln. Wer ein gesamtes Paket durchgezählt hat, kam also auf 106 Punkte. Der Spielaufnehmer hat mindestens 54 Punkte zum Sieg gebraucht.

Es wurden auch die Überschusspunkte gewertet - wer weit über der Gewinnschwelle von 54 Punkten lag, hat mehr kassiert als jemand, der nur knapp über der Gewinnschwelle lag.

Das Zwanzigerufen wird erfunden

Diese Spielbeschreibung wurde in der Folge in mehreren Kartenspielebüchern eins zu eins nachgedruckt. Nur im "Neuesten allgemeinen Spielbuch", 1829, ist der Text um einige Absätze ergänzt. Hier wird erstmals ein "Tarockrufen" beschrieben. In einigen Passagen wird darauf hingewiesen, dass der gerufene König ja auch liegen kann und dann der Spielaufnehmer oft unverschuldet verliert, wenn er allein gegen drei spielt.

"Alle die beim Königrufen obwaltenden Schwierigkeiten haben die Veranlassung gegeben, statt eines Königs einen hohen Tarock, der dem Spieler in seiner Reihenfolge abgeht, zu rufen, den XX, XIX, XVIII oder XVII, dessen Verlust nicht zu riskieren steht."

Der Text entpuppt sich als eine erste rudimentäre Spielanleitung für das Zwanzigerrufen. Gespielt wird damals noch mit 54 Karten - wie Königrufen. Gerufen wird Tarock XX. Wer XX im Blatt hat, ruft XIX usw. Wer alle Stecher bis XVII im Blatt hat, muss offensichtlich allein gegen drei spielen, denn es kann kein Zufall sein, dass die Aufzählung der rufbaren Karten bei XVII abbricht.

Später wurde im Zwanzigerrufen die Anzahl der Karten auf 40 reduziert - die im Raum Wien so beliebte Spielvariante war geboren.

Wir wissen also, dass Königrufen erstmals 1827 belegt ist - sogar mit Renonceregeln und Musterspielen; Zwanzigerrufen erstmals 1829 - mit kurzen Hinweisen. Wahrscheinlich ist Königrufen damals schon ein oder zwei Jahrzehnte lang gespielt worden, das Zwanzigerufen ist wenig später aus dem Königrufen entstanden.

Diese traditionsreichen Kartenspiele sind also rund 200 Jahre alt.




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