• vom 30.01.2019, 10:00 Uhr

Stadt & Land

Update: 30.01.2019, 10:33 Uhr

Wohnen

Von der Daseinsvorsorge zum Luxusgut?




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Von Reinhard Seiß

  • Das Wohnen hat sich auch in Österreichs Städten massiv verteuert. Gefragt ist einmal mehr die Politik.





Reinhard Seiß ist Stadtplaner, Filmemacher und Fachpublizist sowie Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.

Reinhard Seiß ist Stadtplaner, Filmemacher und Fachpublizist sowie Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.© URBAN+ Reinhard Seiß ist Stadtplaner, Filmemacher und Fachpublizist sowie Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.© URBAN+

Verglichen mit deutschen Großstädten fiel die Explosion der Wohnungskosten in Österreichs Zentren bisher noch glimpflich aus, obwohl sich die Kaufpreise etwa in der Bundeshauptstadt in den letzten zehn Jahren - angeheizt durch den massiven Zuzug, aber auch durch den Run auf sogenannte Vorsorgewohnungen - quasi verdoppelt haben. Während in Wien der nach wie vor hohe Anteil an sozialen Wohnbauten den Preisanstieg noch einigermaßen dämpfen konnte, schoss etwa in München der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen von bereits erklecklichen 4500 Euro im Jahr 2012 auf für Normalverdiener unbezahlbare 8000 Euro im Vorjahr hoch.

"Dabei sind die Baukosten von derzeit 2300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche relativ stabil geblieben und haben sich ähnlich entwickelt wie die Verbraucherpreise", berichtete der Münchner Architekt Thomas Jocher, ehemaliges Mitglied der Baukostensenkungskommission der Deutschen Bundesregierung, im Rahmen einer internationalen Fachtagung von ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich Ende letzten Jahres in St. Pölten.

Und das, obwohl die Anforderungen an den Wohnbau weiter gestiegen seien, etwa durch neue Auflagen zur Barrierefreiheit, zur Energieeffizienz oder zur Recyclingfähigkeit der Baustoffe. Somit sei die Kostenexplosion, so Jocher, der an der Universität Stuttgart Wohnbau lehrt, fast zur Gänze auf die Entwicklung der Bodenpreise zurückzuführen.

Die Sünden der Wohnbaupolitik, hier in Wien, die ungeniert als "urban" schöngeredet werden.

Die Sünden der Wohnbaupolitik, hier in Wien, die ungeniert als "urban" schöngeredet werden.© Reinhard Seiß/URBAN+ Die Sünden der Wohnbaupolitik, hier in Wien, die ungeniert als "urban" schöngeredet werden.© Reinhard Seiß/URBAN+

Das Gold liegt im Boden

Die größten Nutznießer des aktuellen Booms sind also nicht jene, die Geld investieren und Wohnungen errichten, sondern jene, die Grünland oder noch erschwingliches Bauland günstig kauften, es von der öffentlichen Hand durch Umwidmung oder infrastrukturelle Erschließung oft noch aufwerten ließen - und sich nun über die Vervielfachung des Bodenwerts freuen. Diese Hausse führt inzwischen zu Phänomenen wie dem sogenannten "Land Banking" - sprich, Grundstücke bewusst brach liegen zu lassen, da sie unbebaut eine noch höhere Rendite versprechen, als wenn sie für noch so hochpreisige Bauprojekte genutzt werden.



Während in Berlin die Wohnungspreise in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent gestiegen sind, stiegen die Baulandpreise um unglaubliche 345 Prozent. Von "Betongold" zu reden, wenn man die derzeit populärste Anlageform, nämlich Immobilien meint, entspricht somit nur bedingt den Tatsachen.

Richtiger ist: Das Gold liegt im Boden. Und ohne drastische Maßnahmen der Politik wird sich an diesem Goldrausch auch nichts ändern. Mangels nötigen Muts der jeweiligen Bundesregierungen versuchen Städte wie München oder Basel mitunter schon seit Jahren, der Baulandspekulation kommunalpolitisch zu Leibe zu rücken - und das in deutlich kapitalistischer geprägten Gesellschaften als der österreichischen. Hierzulande scheint die freie Verfügung über Grund und Boden dagegen mancherorts noch sakrosankt zu sein. So hinkt Wien in bodenpolitischer Hinsicht selbst im österreichischen Vergleich noch anderen Kommunen hinterher. Während zahlreiche Landgemeinden im Rahmen der sogenannten Vertragsraumordnung längst Maßnahmen zur Mobilisierung gehorteten Baulands oder zur öffentlichen Abschöpfung privater Widmungsgewinne ergriffen haben, beschränkte man sich in der Donaumetropole bislang auf den - zweifellos wichtigen - Ankauf von Stadtentwicklungsflächen, die der kommunale Wohnfonds günstig an Wohnbauträger weiterverkauft.




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Schlagwörter

Wohnen, Mieten, Bauland, Wohnraum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-29 17:26:50
Letzte Änderung am 2019-01-30 10:33:37



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