• vom 06.12.2016, 16:05 Uhr

Stadt & Land

Update: 07.12.2016, 11:14 Uhr

Verkehrspolitik

Es hat sich vieles aufgestaut




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Von Matthias Nagl

  • Die Landeshauptstädte Linz und Salzburg leiden unter akuten Verkehrsproblemen. Politische Untätigkeit gepaart mit starker Verkehrzunahme sind die Ursachen des Dauerstaus.

Der alltägliche Stau in der Ignaz-Harrer-Straße in Salzburg. - © FMT

Der alltägliche Stau in der Ignaz-Harrer-Straße in Salzburg. © FMT

Salzburg und Linz leiden. Die beiden Landeshauptstädte stehen kollektiv im Stau. Da der Verkehrsinfarkt werktägliches Ritual ist, fallen die kleinen Absurditäten gar nicht mehr auf. Deshalb lohnt es, sie losgelöst vom täglichen Stauchaos zu beleuchten.

In Salzburg ist das etwa das Stieglgleis. Diese 3,4 Kilometer lange Bahnstrecke im Herzen von Salzburg feiert demnächst ihren 100. Geburtstag. Ein regulärer Personenzug ist auf dieser Strecke, die mehrheitlich durch Wohngebiet führt, aber noch nie gefahren. Ein paar Mal pro Woche zuckelt ein Güterzug mit ein, zwei Anhängern auf der Strecke, den Großteil der Zeit liegt sie brach.


Das wird auch noch länger so bleiben. Zwar hat das Land Salzburg die Strecke nun in das Sachprogramm "Freihaltung für Verkehrsinfrastrukturprojekte" aufgenommen, ernsthafte Pläne für eine Aufwertung der Strecke gibt es aber nicht. Dabei wäre der Salzburger Flughafen über das Stieglgleis mit relativ wenig Aufwand an das Schienennetz anzuschließen.

Die Stadt Salzburg hat entsprechende Pläne des Landes schon 2011 dankend abgewiesen, was sie jedoch nicht davon abhält, entlang des Stieglgleises großflächig Wohngebiete zu widmen und zu fördern. Generell verhält sich die Stadt in Sachen Verkehr fast schon aufreizend passiv angesichts der Tatsache, dass der Stau ein ständig wiederkehrendes Thema ist. Zwar kommt nun angesichts des herbstlichen Verkehrsinfarkts etwas Bewegung in die Thematik, jahrzehntelange Versäumnisse lassen sich aber nicht mit symbolischen Maßnahmen beheben. Solche beschlossen Stadt und Land Salzburg Anfang November bei einem Gipfelgespräch von Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Bürgermeister Heinz Schaden. Darunter fallen zusätzliche Garnituren für die Salzburger Lokalbahn, geringfügig auf 365 Euro vergünstigte Jahrestickets sowie zusätzliche Park-and-Ride-Plätze.

Diese Maßnahmen sind kosmetische Eingriffe, umfassendere Maßnahmen werden in Salzburg kaum noch ernsthaft diskutiert. Eine Stadtregionalbahn wäre so eine umfassende Maßnahme, sie wird seit etwa 30 Jahren regelmäßig debattiert und zerredet - auch diese Diskussion hat nach unzähligen Machbarkeitsstudien und Denkvarianten etwas Absurdes. So bleibt Salzburg weiterhin Österreichs mit Abstand größte Stadt ohne Straßenbahn.

Keine Straßenbahn seit 1940
Die letzte Salzburger Straßenbahnlinie wurde 1940 stillgelegt und durch den Oberleitungsbus ersetzt, der auch heute noch den Großteil des öffentlichen Verkehrs bestreitet. Der O-Bus hat den großen Nachteil, häufig ebenfalls im Stau zu stecken, weshalb ein 365-Euro-Jahresticket trotz des gleichen Preises nicht mit dem Wiener Jahresticket vergleichbar ist. Das Angebot ist ungleich schlechter. Das gilt auch im Vergleich zu Graz, wo das Jahresticket nur 241 Euro kostet - mit Straßenbahnnetz.

In Linz kommt ein Jahresticket auf 285 Euro. Wie in Salzburg wurde aber auch hier ein schon länger schwelendes Verkehrsproblem in diesem Herbst virulent. Mitauslöser dafür war eine Linzer Absurdität. Jahrelang schauten Landes- und Stadtpolitik der Eisenbahnbrücke, auf der zwei Buslinien und täglich mehr als 15.000 Autos die Donau überquerten, beim Verrosten zu. Bis sie im Februar gesperrt und mittlerweile abgetragen wurde.

Die beschränkte Lebensdauer der 115 Jahre alt gewordenen Brücke war seit langem bekannt. Dennoch ist die Nachfolgebrücke erst in der Projektphase und soll im Jahr 2020 fertig werden - zumindest laut Plan. Das bedeutet, dass Linz vier Jahre lang ohne eine vierte Donauquerung auskommen muss. Dazu wurde eine der drei verbleibenden Brücken, die Steyregger Brücke, im Sommer zur Hälfte saniert, die zweite Hälfte folgt im kommenden Sommer. Die ebenfalls geplante Sanierung der Voest-Brücke wurde aufgrund des akuten Brückenmangels verschoben.

Die Mühlkreisbahn ist in Linz das, was in Salzburg die Stadtregionalbahn ist. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie kein Phantom ist, sondern tatsächlich aus dem Mühlviertel in den Norden der Stadt fährt. Ob sie über die Donau geführt werden soll, wird nun aber auch schon in Linz seit 20 Jahren diskutiert. Erst kürzlich hat der neue Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) eine neue Studie zum Thema vorgestellt, die die vorangegangenen Studien zusammenfasst.

Heftige Proteste
Sowohl in Linz als auch in Salzburg führt die jahrelange Untätigkeit nun zu heftigen Protesten. Die Lokalzeitungen könnten ihre Leserbriefseiten problemlos mit dem Thema Stau alleine füllen. In Oberösterreich gründete sich auf Initiative des ÖVP-Nationalratsabgeordneten Michael Hammer die "Mühlviertler Pendlerallianz". In Salzburg schaffte es der Sprecher der Facebook-Plattform "Stau in Salzburg", Peter Harlander, auf einem ÖVP-Ticket in den Gemeinderat, den Harlander aus beruflichen Gründen mittlerweile aber wieder verlassen hat.

Das schwerwiegende Scheitern der Verkehrspolitik ist durch die aktuellen Entwicklungen in Linz zwar gleichermaßen offensichtlich wie in Salzburg. Die Autofahrer, also jene, die am meisten unter dem Stau leiden, sind an der Entwicklung des Stauchaos allerdings genauso beteiligt. Das belegen die Zahlen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-12-06 16:08:04
Letzte Änderung am 2016-12-07 11:14:07



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