• vom 06.03.2018, 14:03 Uhr

Stadt & Land

Update: 07.03.2018, 08:12 Uhr

Landflucht

Die vergessene Zielgruppe




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Von Simon Rosner

  • Die Landflucht ist nicht nur, aber vor allem weiblich. In manchen Regionen besteht mittlerweile ein Frauenmangel.

Ist Landflucht weiblich? Die Raumforscherin Gerlind Weber gibt Antworten im Interview.

Ist Landflucht weiblich? Die Raumforscherin Gerlind Weber gibt Antworten im Interview.

Vor zwei Wochen erschien an dieser Stelle ein Interview mit der Raumforscherin Gerlind Weber über Ursachen und Folgen der Landflucht sowie über mögliche neue Denkansätze. Darauf folgte eine Antwort des Städtebund-Generalsekretärs Thomas Weninger auf einige Aussagen. Ein zentraler Aspekt war im ersten Interview ausgeklammert worden: die verstärkte Abwanderung von jungen Frauen. Das war einerseits der Überlänge geschuldet, anderseits ist der Aspekt zu vielschichtig, um ihn in nur ein oder zwei Fragen abzuhandeln. Daher die Entscheidung, das Interview zweigeteilt zu veröffentlichen.

Eine umfassende Studie zu geschlechterspezifischer Abwanderung liegt für Österreich übrigens noch nicht vor, sehr wohl gibt es aber Hinweise und einzelne Untersuchungen - auch von Weber -, die darlegen, dass in manchen, peripheren Regionen mittlerweile ein Frauenmangel besteht, während etwa in Wien auf 100 Männer 102 bis 107 Frauen kommen.

Information

Zur Person

Prof. Gerlind Weber ist Professorin im Ruhestand am Institut für Raumplanung, Umwelt- und Bodenplanung der Boku Wien, das sie auch leitete. Sie lehrte an zahlreichen ausländischen Universitäten, darunter an der ETH Zürich und der Kyoto University. Heute arbeitet Gerlind Weber unter anderem als Konsulentin und ist Mitglied in diversen Beiräten, Fachjurien und Berufsverbänden.

"Wiener Zeitung": Bei der Landflucht zeigt sich, dass mehr junge Frauen als junge Männer gehen. Warum ist das so?

Gerlind Weber: Da gibt es mehrere Faktoren. Frauen absolvieren qualifiziertere Ausbildungswege als Männer, schon allein ausbildungsbedingt wandern sie ab. Die Mutter hat noch die Pflichtschule gemacht, vielleicht ein Polytechnikum, bei der Tochter ist Matura das absolute Minimum oder ein Lehrabschluss mit Fortbildungen. Dazu kommt, dass der ländliche Arbeitsmarkt beschränkt ist. Er bevorzugt die Männer: in der Land- und Fortwirtschaft, im Handwerk, im Bauwesen. Außerdem wirken hier auch traditionelle Vorstellungen, nämlich dass die Frau ihrem Partner nachzieht. Ein Punkt ist aber auch, und man sollte das nicht unterschätzen, dass es oft auch ein emanzipatorischer Schritt ist, zu gehen, weil die Männer doch noch machohaft sind, alles besser wissen und die Frauen und ihre Qualifikationen überhaupt nicht wahrnehmen.

Ist das Land zu konservativ für junge, gut ausgebildete Frauen?

Beispielhaft kann man das beim Gasthaus sehen. Immer wieder heißt es, jede Gemeinde braucht ein Gasthaus. Aber die Frauen gehen nicht allein ins Gasthaus, höchstens in männlicher Begleitung. Sie wünschen sich eher einen Bistrobereich in einem Geschäft. Der Müßiggang wird am Land nach wie vor nicht öffentlich gezeigt. Aber wenn man einkaufen geht und noch schnell einen Kaffee trinkt, ist diese Barriere überwunden. Es muss immer einen Anlass geben, wenn man als Frau alleine wo hineingeht.


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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-06 14:08:51
Letzte Änderung am 2018-03-07 08:12:43


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