• vom 13.03.2018, 16:31 Uhr

Stadt & Land

Update: 14.03.2018, 10:52 Uhr

Kinosterben

"Darling, ich war im Kino"




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Simon Rosner

  • Die Zeit des Kinosterbens mag vorerst vorbei sein, aber viele Kinos sind nicht mehr geblieben, vor allem am Land.




© Fotoarchiv der Stadtgemeinde Mank © Fotoarchiv der Stadtgemeinde Mank

Mank. Andrea Bouton schlichtet 3D-Brillen ein, dann muss sie sich um zwei Gäste kümmern, die Eistee bestellt haben. Inzwischen schleichen sich zwei Kinder aus dem Kinosaal und bitten um Popcorn. Aus dem Raucherzimmer kommt der Wunsch nach einem Kaffee. Und so geht es weiter. Glücklicherweise findet Bouton dazwischen noch Zeit, zu erzählen, warum sie in der niederösterreichischen Gemeinde Mank mit ihren 3000 Einwohnern ein Kino samt Café-Bar betreibt. Destilliert man diese Erzählungen auf ihre Essenz, geht es auch um nichts anderes als die großen Themen des Films: die Liebe, das Leben und die Leidenschaft.

Andrea Bouton kommt zwar aus der Gegend, als junge Frau brach sie aber auf, arbeitete in der Schweiz und lernte dort ihren Mann kennen. Er ist Franzose, kommt aus Bordeaux, wo er als Schüler als Kino-Billeteur arbeitete. Seither ist er Filmliebhaber. Gemeinsam ließen sie sich in Mank nieder, machten eine Weinhandlung auf. Tja, und dann, vor wenigen Jahren, sollte das Gemeindekino geschlossen werden.


Rückblick: Am 15. Jänner 1955 wurden die Einwohner zur "Eröffnung des neuen Kinos Mank" eingeladen. Gegeben wurde der Film "Königliche Hoheit" mit Dieter Borsche und Ruth Leuwerik. Das Kino war mit einer Volksanleihe finanziert und mit Hilfe der lokalen Bevölkerung gebaut worden. "Die Bauern sind mit ihrem Fuhrwerk gekommen, Männer haben den Keller händisch ausgegraben", erzählt Elfriede Eigenthaler. Sie hat das Gemeindekino ab 1990 bis zu ihrer Pensionierung 2011 geführt. Hauptberuflich war sie Lehrerin.

Die große Zeit des Kinos in Mank war damals schon lange vorbei. In den 60er Jahren gab es in den meisten Gemeinden ringsum ein Kino, wie sich Eigenthaler erinnert. Und alle kamen. "Es war ein Treffpunkt und auf keinen Fall elitär", erzählt sie. "Die Sissi-Filme waren ein Muss. Die hat man sehen müssen, um am Wirtshaustisch mitreden zu können", sagt Eigenthaler. Sie selbst sei als Kind regelmäßig ins Kino gegangen, obwohl sehr wenig Geld im Haus war. "Man hat lieber ein Schnitzel weniger gegessen, um sich dieses Vergnügen zu leisten."

Und so war es nicht nur in Mank. In vielen, auch sehr ländlichen Gemeinden gab es Filmsäle und Kinos, wobei Daten dazu schwer zu eruieren sind. In ihrer Diplomarbeit zur "Kinogeschichte des Burgenlandes" hat sich Julia Pinter der Entwicklung im Burgenland gewidmet.

In einem Punkt kann diese wohl exemplarisch für ganz Österreich gelesen werden: Mitte der 1950er Jahre gab es im Burgenland 87 Kinos, Anfang der 1960er Jahre dann mehr als 100, wenn man die Wanderkinos dazuzählt. Dann aber setzte das Kinosterben ein und nur 20 Jahre später hatte sich die Zahl im Burgenland bereits auf 29 Kinos reduziert, Ende der 1990er Jahre gab es nur mehr acht, nun sind vier geblieben: Mattersburg, Illmitz, Oberwart, Oberpullendorf. In der Landeshauptstadt Eisenstadt rollte 2011 das letzte Kino seine Leinwand ein, ein neues Multiplex mit vielen Sälen scheiterte bisher an diversen Auflagen sowie an Anrainerbeschwerden.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-13 16:35:47
Letzte Änderung am 2018-03-14 10:52:08


Woher kommt der Ortsname?

Mit Weibern nichts am Hut

- © Gemeinde Weibern Erstmals genannt wurde der oberösterreichische Ort Weibern im Hausruckviertel in einer Urkunde von 785. Das Schriftstück existiert nicht mehr im... weiter




Woher kommt der Ortsname?

Wein statt Server

- © Gemeinde Mailberg Im Bezirk Hollabrunn liegt der kleine Ort Mailberg. Geprägt ist er vom Weinbau - nicht von elektronischen Nachrichten... weiter





Werbung




Werbung