• vom 20.03.2018, 15:22 Uhr

Stadt & Land

Update: 22.03.2018, 13:35 Uhr

Zukunftsgemeinden Steiermark

Über alle Berge




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Von Wolfgang Liu Kuhn

  • In der Steiermark setzt sich die Landflucht insbesondere bei jungen Menschen fort. Wettbewerbe wie die "Zukunftsgemeinde Steiermark" suchen nach jugendfreundlichen Initiativen und sollen dem Trend entgegenwirken.

Das obersteirische Eisenerz verlor in den vergangenen Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Einwohner. Darunter viele junge Menschen.

Das obersteirische Eisenerz verlor in den vergangenen Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Einwohner. Darunter viele junge Menschen.© apa/Techt Das obersteirische Eisenerz verlor in den vergangenen Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Einwohner. Darunter viele junge Menschen.© apa/Techt

Graz. Der Widerspruch war nicht zu übersehen: In der Aula der Alten Universität von Graz ehrten überwiegend ältere Männer in Trachtenanzügen die jugendfreundlichsten Gemeinden der Steiermark. Allen voran Hermann Schützenhöfer, der einst selbst Jugendreferent des Landes war und vergangene Woche als Landeshauptmann die "Zukunftsgemeinden Steiermark" auszeichnen durfte. Der Wettbewerb, der jedes Jahr einer anderen Thematik folgt, fand bereits zum zwölften Mal statt, dem diesjährigen Thema "Jugendfreundlichkeit" widmeten sich immerhin 287 Gemeinden. "Dahinter steht die Überlegung, dass die eigene Heimatgemeinde zumeist die erste, unmittelbare Lebenswelt von Jugendlichen ist", heißt es dazu vom Veranstalter, dem steirischen Volksbildungswerk. Ausgezeichnet wurden demnach Gemeinden, die Jugendlichen Raum zur Entfaltung geben und sie motivieren, sich aktiv in die Geschicke ihrer Heimat einzubringen.

Denn gerade bei der Jugendarbeit stehen die Gemeinden in der Steiermark unter Zugzwang. Bisher ist es nicht gelungen, die Landflucht zu stoppen - junge Menschen und insbesondere junge Frauen zieht es ungebremst in Großräume wie Graz. Ortskerne verlieren hingegen Wirte, Shops, Schulen und in weiterer Folge die Menschen. Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist die Obersteiermark: Die Bezirke Murau, Murtal, Leoben und Bruck-Mürzzuschlag haben seit 1991 Einwohner im zweistelligen Prozentpunktebereich verloren.


Prominentes Opfer
Die Prognosen der Landesstatistik versprechen keine Besserung: Murau soll bis 2050 fast jeden vierten Einwohner verlieren, bei den anderen Genannten liegt die Zahl bei jeweils mehr als 15 Prozent. Ein prominentes Opfer dieser Entwicklung ist Judenburg: Laut Statistik Austria hatte die Bezirkshauptstadt mit Jahresbeginn nur noch 9959 Bewohner, ein Jahr davor waren es 10.063. Setzt sich der Trend fort, hat dies auf das Budget Auswirkungen in Millionenhöhe, wodurch wiederum der Sparstift droht - eine Abwärtsspirale. Dabei läuft die Steiermark mit dieser Entwicklung gegen einen weltweiten Trend, da global betrachtet gerade junge Menschen wieder ihre Liebe zum Land und zur Bergwelt entdecken. Der Gegentrend zur Landflucht wurde erstmals in der kalifornischen Sierra Nevada beobachtet und hat sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Besonders gut lässt er sich im italienischen Friaul beobachten, wo bereits verlassene Dörfer neu besiedelt wurden, vorwiegend von jungen Städtern, die sich bewusst für ein Leben im Gebirge entschieden haben. Im gesamten Alpenraum haben Forscher einen demografischen Umschwung nachgewiesen, selbst in abgelegenen Gebieten - solange diese mit befahrbaren Wegen und einer guten Internetverbindung erschlossen sind. Als Gründe dafür gelten neben den landschaftlichen Reizen und der Abgeschiedenheit auch die niedrigen Grundstückpreise. Der Ostalpenrand gilt mit der Steiermark, dem südlichen Niederösterreich und Kärnten als einzige Region in den Alpen, die von dieser Entwicklung bisher noch nicht erfasst wurde. Für Professor Ernst Steinicke von der Universität Innsbruck sind diese Bundesländer daher auch "demografische Problemgebiete".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-20 15:26:51
Letzte Änderung am 2018-03-22 13:35:53


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