• vom 27.03.2018, 16:28 Uhr

Stadt & Land

Update: 28.03.2018, 11:32 Uhr

Gastkommentar

Grenzen in der Planung




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Von Michael Maxian

  • Wo die Grenzen von Gemeinden oder Bundesländern verlaufen, ist meist historisch gewachsen. Die Gegenwart hält sich jedoch nicht an diese Grenzziehungen - eine Herausforderung für die Raumplanung.

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Raumordnung ist Ländersache, und die Bundesländer haben jede Menge an überörtlichen Planungen erlassen, entweder für das ganze Land oder für Regionen. Und auch die Gemeinden haben längst die Verpflichtung erfüllt, für ihr Gemeindegebiet Planungen aufzustellen, mit denen die Belange der örtlichen Raumordnung geregelt werden.

Alle diese überörtlichen und örtlichen Raumordnungspläne haben eines gemeinsam: Sie orientieren sich an administrativen Grenzen. Auch wenn der Begriff "Grenze" oft einen unbehaglichen Beigeschmack hat, sind Grenzen unentbehrlich. Sie regeln, wer wann wo und in welcher Form Zuständigkeiten und Rechte besitzt, und strukturieren damit nicht nur Politik und Verwaltung, sondern auch den Raum.

Information

Michael Maxian

arbeitet seit 40 Jahren als Raumplaner. Er war lange Zeit im Amt der NÖ Landesregierung beschäftigt und ist nun als Konsulent und Universitätslektor tätig.

Und da administrative Grenzen in der Regel große Beharrungskraft besitzen, eigenen sie sich auch wunderbar für die Strukturierung von statistischen Daten. Diese wiederum bilden unter anderem die Grundlage für die örtlichen und überörtlichen Planungen. Damit schließt sich der Kreis und innerhalb der Grenzen des jeweiligen Plans scheint die Welt in Ordnung zu sein. Aber ist sie das wirklich? Oder besser gefragt: Sind diese administrativen Grenzen wirklich relevant, wenn es um Entwicklungen und Probleme im Raum geht?

Wer in der Früh mit dem Auto zur Arbeit will und auf der Autobahn in einen Stau gerät, merkt schnell, dass es dem Stau egal ist, wo Gemeinde-, Bezirks- oder Landesgrenzen liegen. Wenn es staut, dann staut es. Natürlich nicht aus purem Zufall, sondern aus funktionalen Ursachen, zumeist aus Verkehrsüberlastung. Aber die fällt nicht wie der Regen vom Himmel, sondern entsteht regelmäßig dann, wenn das Verkehrsaufkommen im Einzugsgebiet größer als die Kapazität der Straße ist. Und dieses Einzugsgebiet hat - wie jedes Gebiet - ebenfalls Grenzen. Funktionale Grenzen.

Funktionale Grenzen entsprechen der Gegenwart

Solche funktionalen Grenzen sind viel verbreiteter, als es auf den ersten Blick scheint: Das Einzugsgebiet eines Einkaufszentrums bestimmt nicht nur, mit wie vielen potenziellen Kunden gerechnet werden kann, sondern auch, wo "Kollateralschäden" (Kaufkraftabfluss, Geschäftsschließungen und dergleichen) auftreten können. Die richtige Einschätzung funktioneller Grenzen ist für den Erfolg zahlreicher Einrichtungen entscheidend, das gilt für den Kinderspielplatz genauso wie für den Skilift, das Wellnesshotel oder die Konzerthalle.

Zum Unterschied von administrativen Grenzen, die im Wesentlichen das Ergebnis oft lang zurückreichender historischer Entwicklungen sind, haben funktionale Grenzen immer einen Gegenwartsbezug. Ihr Wesensmerkmal ist auch nicht die Grenze an sich, sie sind vielmehr der Rand eines funktional zusammenhängenden Gebietes. In der Raumplanung sind für die richtige Einschätzung von Planungsentscheidungen die funktionalen Grenzen meist wichtiger als die administrativen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-27 16:32:59
Letzte Änderung am 2018-03-28 11:32:33


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