• vom 15.05.2018, 13:13 Uhr

Stadt & Land


Borkenkäfer

Sie fliegen wieder




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Von Simon Rosner

  • Der Borkenkäfer hat wieder Saison. Das Wissen über deren Schädlichkeit ist bei Wald-Erben noch ausbaubar.


© apa/LK OÖ/Stollmayer © apa/LK OÖ/Stollmayer

Wien. Buchdrucker und Kupferstecher sind ehrenwerte Berufe. Und es sind auch Professionen, die eher am Verschwinden sind. Was sich über weitere Namensträger leider nicht sagen lässt. Buchdrucker und Kupferstecher sind auch Arten von Borkenkäfer, die vor allem die Fichten quälen.

Diese Nadelbäume kommen zwar grundsätzlich mit den Schädlingen ganz gut zurecht, allerdings nur dort, wo sie sich wirklich heimisch fühlen. Das tun sie vor allem in höheren, alpinen Lagen im Westen Österreichs. "Dort ist eine Fichtenmonokultur durchaus okay. Im Alpenvorraum auf 400 Metern Höhe ist es aber nicht so günstig", sagt Christian Lackner vom Bundesforschungszentrum Wald.


Seine Leidenschaft für Fichten teilt der Borkenkäfer mit dem Menschen, der ihren geraden und schnellen Wuchs, ihre Genügsamkeit und ihre gute Verwendbarkeit schätzt. In Österreichs Wäldern dominiert diese Baumart nach wie vor, doch der Anteil lag bei der letzten Waldinventur 2009 nur mehr bei knapp über 50 Prozent. Anfang der 1990er Jahre war er noch nahe den 60 Prozent. Bei der Statistik zu den Nachpflanzungen deutet einiges darauf, dass der Anteil weiter schrumpft. Waren im Jahr 2003 acht von zehn gepflanzten Bäumen Fichten, ist dies bis zum Jahr 2011 bei der letzten Zählung auf rund zwei Drittel gesunken.

Das zeigt auch, dass langjährige Bemühungen Früchte tragen, die heimischen Wälder etwas mehr zu durchmischen. Das ist wichtig, um die Widerstandskraft der Bäume zu erhöhen, die in den vergangenen Jahren zunehmend mit einem weiteren Faktor zu kämpfen haben: dem Klimawandel. In Westösterreich haben die Niederschläge im vergangenen Jahrhundert zugenommen, im Südosten abgenommen. Dazu kommt die Zunahme von Wetterextremen.

Im Vorjahr erreichte der von Borkenkäfern verursachte Schaden einen Rekord von 3,52 Millionen Festmeter. Und heuer dürfte es wohl auch ein überdurchschnittliches Jahr werden, wobei Oberösterreich und Niederösterreich besonders betroffen sind.

Zahlreiche Sturmschäden
Die trockene und warme Witterung in den Tieflagen macht den Fichten zu schaffen und begünstigt die Vermehrung der Käfer. Experten rechnen mit vier Generationen von Nachkommen in nur einem Jahr. "Spätestens im Herbst kann auch ein gesunder Baum den Angriff hunderter Käfer nicht mehr abwehren", erklärte Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst-Betriebe Österreich.

Im Osten des Landes haben Sturmereignisse im Vorjahr zu erheblichem Windwurf in den Wäldern geführt. Die umgestürzten Bäume sind besondere Brutstätten für den Schädling, sie müssen daher aus den Wäldern entnommen werden. Aber das ist nicht immer so einfach. Und das hat - nicht nur, aber auch - mit Eigentümern zu tun, die in Fachkreisen als "Hof-ferne Waldbesitzer" firmieren. Das sind häufig Erben von Forst- und Landwirten, die den eigenen Wald nicht nur als Lieferanten für Brennholz sehen. "Sie haben andere Interessen als die der Waldnutzung, was ja auch okay ist. Aber sie haben auch eine Verpflichtung", sagt Lackner. Bei den neuen Waldbesitzern wird dieser Punkt bisweilen unterschätzt.

Information für Neo-Besitzer
In Zusammenarbeit mit dem Gemeindebund hat das Bundesforschungszentrum vor zwei Jahren eine Initiative ins Leben gerufen, um Waldbesitzer zu informieren. Das Interesse bei regionalen Veranstaltungen war auch sehr groß. "Es kommt da etwas in Bewegung", sagt Lackner.

Wenn sich ein Eigentümer trotz Borkenkäferbefalls nicht um seinen Wald kümmert, wird der Bezirksförster aktiv. Das geht so weit, dass die Behörde die Entfernung vornimmt. Auf Kosten des Eigentümers natürlich. Die bessere Idee ist da eindeutig der sogenannte "Ab-Stock-Verkauf". Dabei werden Holzfirmen beauftragt, das von den Borkenkäfern befallene Holz zu entnehmen und zu verkaufen. Die so erlöste Summe wird dann von der Rechnung abgezogen. Hof-ferne Besitzer müssen dann nicht einmal anreisen. Mit einem Telefonat ist das Borkenkäferproblem erledigt.




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Dokument erstellt am 2018-05-15 13:18:50


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