• vom 29.05.2018, 17:47 Uhr

Stadt & Land

Update: 29.05.2018, 19:04 Uhr

Städtetag

Hälfte der Österreicher sorgt sich um Finanzierung der Pflege




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  • Städtebarometer offenbart Vertrauen in die Pflege, aber auch Bedenken zur Finanzierung. Das Thema wird auch den Städtetag prägen, bei dem Michael Häupl als Präsident abtritt.


© apa/Hans Klaus Techt © apa/Hans Klaus Techt

Wien. (sir) Einmal geht’s noch, bevor er geht. Ein Amt hat Michael Häupl noch über, er wird es erst in der kommenden Woche an seinen Nachfolger in Wien abgeben. Auf dem 68. Österreichsichen Städtetag in Feldkirch, der Jahresversammlung der heimischen Städte, wird Wiens neuer Bürgermeister Michael Ludwig zum Präsidenten des Städtebundes gewählt werden, Vize-Präsidentin - die erste - wird Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), seit 2015 Bürgermeisterin in Klagenfurt.

Beim Treffen der rund 250 Mitgliedsstädte stehen vor allem zwei Zukunftsthemen im Vordergrund: die Digitalisierung sowie die Pflege. Nach längerem Hin und Her hatte es vor zwei Wochen eine Einigung zwischen den Bundesländern und Finanzminister Hartwig Löger zur Abgeltung der Folgen des Pflegeregressverbots gegeben. Es wurde eine genaue Abrechnung für das Jahr 2018 beschlossen, jedoch zugleich auch ein Maximalbetrag von 340 Millionen Euro festgelegt.


Im jährlich vom Meinungsforschungsinstitut Sora durchgeführten "Städtebarometer" wurde das Pflegethema in einer Spezialauswertung abgebildet. Bei der Umfrage (1057 Personen) geht es stets darum, die Zufriedenheit der Stadtbewohner mit der Daseinsvorsorge zu messen. Die Erhebung wird seit 2009 vorgenommen, die Zufriedenheitswerte sind konstant hoch, wobei sich zeigt, dass in den größeren Landeshauptstädten (Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) die Zufriedenheit noch etwas größer als in kleineren Städten sowie in Wien ist.

Die Mehrheit der Befragten ist auch zufrieden mit dem Angebot von Pflegeeinrichtungen, jedoch geben nur 27 Prozent an, "sehr zufrieden" zu sein. Es gibt hier also noch Luft nach oben. Nur bei der Frage nach Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bevölkerung ist die Unzufriedenheit größer.

Dass das Thema ein sehr bedeutsames ist, offenbart die Tatsache, dass schon 16 Prozent der Befragten unmittelbar mit Pflege konfrontiert sind, ein Familienangehöriger betreut werden muss. Durch den demografischen Wandel wird sich dieser Anteil erhöhen.

Die häufigste Unterstützungsleistung ist Hilfe durch Verwandte und Bekannte (59 Prozent), wobei dies in ländlich geprägten Städten noch einmal deutlich häufiger der Fall ist als in urbanen Räumen. Hier spielt auch die stationäre Pflege eine überdurchschnittlich große Rolle. "Wir haben in Wien das städtische Paradoxon, dass die Bevölkerung gleichzeitig Jünger und Älter wird", sagt Häupl. Das Altern sei dabei ein "höchst heterogener Prozess", der in mehreren Phasen verlaufe.

Wenn der erste kleine Betreuungsbedarf besteht, ist ein echter Pflegebedarf bisweilen noch Jahre entfernt. Es geht eher darum, dass gewisse Tätigkeiten nicht mehr durchgeführt werden können. Ein Beispiel dafür ist etwa Reinigung der Wohnung oder des Hauses. Was die Finanzierung anbelangt, geben 30 Prozent der Befragten an, privates Vermögen zur Finanzierung der Pflegeleistungen zu verwenden. Die wichtigste finanzielle Quelle stellt aber das Pflegegeld dar. Meistens werden mehrere Quellen benötigt.

"Man muss hier
auch viel zulassen"

Es gibt eine Reihe von Ideen und Experimenten, bei denen das Thema Betreuung in der Wohnbaupolitik mitgedacht wird. Es gibt Mehrgenerationshäuser oder neue Formen von Studenten-WGs, nämlich jene mit einem älteren Vermieter, der im Alltag zwar das meiste, aber eben nicht mehr alles alleine bewältigen kann. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. "Man muss hier auch viel zulassen", sagt Häupl.

Die Frage der Finanzierung ist für die Menschen eine ganz zentrale. Dabei ist auffallend, dass sich rund die Hälfte finanziell gut abgesichert fühlt, die andere Hälfte aber nicht. Bemerkenswert ist, dass ältere Befragte, die der eigenen Pflege näher sind, sich weitaus besser abgesichert fühlen. Rund zwei Drittel geben ihre finanzielle Absicherung mit "ziemlich" oder "sehr gut" an. In der Altersgruppe bis 29 Jahre sieht das nur ein Drittel so.

Dass sich eine Mehrheit für eine staatliche Organisation bei der Finanzierung der Pflege ausspricht, ist keine Überraschung. Aber soll es eine Versicherung sein? "Die Frage ist sehr kompliziert", sagt Häupl. "Wer soll in diese einzahlen?", fragt er. Eine Präferenz habe er noch nicht. Ab nächster Woche muss Häupl dann auch wirklich keine mehr haben.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-29 17:52:06
Letzte Änderung am 2018-05-29 19:04:05


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