• vom 05.06.2018, 15:43 Uhr

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Update: 05.06.2018, 17:19 Uhr

Pflegeregress

Würdevolles Altern braucht Qualität in der Pflege




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Die Kritik richtet sich jedoch nicht gegen das Personal, das in den allermeisten Fällen sehr engagierte Arbeit leistet, oft an den Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Ursache für Missstände sind regelmäßig strukturelle Defizite und Personalmangel.

Die Volksanwaltschaft fordert daher, die Mittel des Pflegefonds, der ein wichtiger Faktor in der Finanzierung der Pflege ist, an verbindliche Qualitätskriterien zu knüpfen - wie Personalschlüssel und Infrastruktur. Zudem müssen bundeseinheitliche Qualitätsstandards geschaffen werden. So braucht es etwa in Einrichtungen und außerhalb davon dringend mehr und gut qualifiziertes Pflegepersonal. Für die Zukunft der Pflege ist eine nachhaltige und solidarische Finanzierungslösung unerlässlich, der Pflegefonds sollte daher in ein fixes Gesetz übergeführt werden.

Neben der Qualitätssicherung in der stationären Pflege muss auch die Pflege und Betreuung im privaten Bereich besser unterstützt werden. Oft reichen Pflegegeld und die kleine Pension nicht aus, um das Wohnumfeld barrierefrei zu adaptieren und Kosten für Unterstützung bei der Pflege zu Hause, etwa durch eine 24-Stunden-Betreuung oder mobile Dienste, abzudecken. Betroffene müssen ihr Erspartes aufbrauchen oder die Kinder um finanzielle Hilfe bitten.

Pflegegeld massiv erhöhen, mobile Pflege ausbauen
Durch die Abschaffung des Pflegeregresses ist nämlich die absurde Situation entstanden, dass die Steuerzahler die teuerste Form der Pflege - jene im Heim, die von den Menschen gar nicht bevorzugt wird - voll finanziert. Die gewünschte private und weitaus kostengünstigere Betreuung zu Hause hingegen nicht. Dadurch verstärkt sich der Andrang auf Heimplätze. Pflegende Angehörige erhalten hingegen zu wenig Unterstützung.

Die Volksanwaltschaft begrüßt die Abschaffung des Pflegeregresses, nun muss jedoch auch die Pflege zu Hause gestärkt werden: Das Pflegegeld sollte daher in allen Stufen massiv angehoben und jährlich valorisiert werden, ein Plus von 30 Prozent würde zumindest den Wertverfall seit seiner Einführung im Jahr 1993 ausgleichen. Unter dem Motto "so viel stationär wie nötig, so viel mobil wie möglich" drängt die Volksanwaltschaft zudem auf den Ausbau flächendeckender, leistbarer mobiler Pflege und die Förderung alternativer Betreuungsformen für ältere Menschen.

Betreffend Qualität der 24-Stunden-Betreuung gibt es ebenso Handlungsbedarf: Wir wissen aus Beschwerdefällen, dass ausländische Betreuerinnen teils ausgebeutet und mit falschen Zeugnissen völlig unvorbereitet vermittelt werden. Sie sind dann etwa mit der Pflege einer demenzkranken Person heillos überfordert.

Die Volksanwaltschaft fordert daher ein staatliches Gütesiegel für Agenturen. Längerfristig sollten im Sinne des präventiven Schutzes von Menschenrechten auch unangekündigte Kontrollen in der 24-Stunden-Betreuung durchgeführt werden. Der Staat muss, zumal wenn er Förderungen verteilt, seiner Rolle als Garant der Menschenrechte gerecht werden und Strukturen schaffen, die Hilfebedürftige in Anspruch nehmen können, ohne Gefahr zu laufen, dadurch körperlich, seelisch oder finanziell Schaden zu nehmen. Er muss für ein Altern in Würde und letztlich für eine neue Kultur der Pflege sorgen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Schließlich werden wir im besten Fall alle einmal alt.

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Dokument erstellt am 2018-06-05 15:52:17
Letzte Änderung am 2018-06-05 17:19:46


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