• vom 04.09.2018, 15:13 Uhr

Stadt & Land

Update: 04.09.2018, 16:04 Uhr

Leerstand

Kunst in der Leere




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Diesen Weg gehen auch die Organisatoren des "Rostfests" in Eisenerz. In der früher vom Bergbau geprägten Stadt herrscht wahrlich kein Mangel an leer stehenden und ungenutzten Häusern: In den 1950er Jahren lebten hier noch 13.000 Menschen, heute hält es keine 5000 mehr im morbid-erhabenen Bergambiente der Obersteiermark.

Radrennen im Einkaufszentrum
Doch an einem Wochenende im August wird die Stadt mit Leben und Kunst erfüllt, wenn das spartenübergreifende "Rostfest" mit Konzerten, Performances, Installationen und Ausstellungen lockt: "Eisenerz ist architektonisch attraktiv, es gibt auch viel Platz, doch die Stadt ist mit ihren 700 leeren Wohnungen wie ausgestorben. Das sind teilweise riesige Gebäude wie Einkaufszentren, das Kino, Veranstaltungsräume und so weiter. Unsere Aufgabe ist es, diese leeren Räume zu bespielen, und es hat für die Bevölkerung eine Signalwirkung, wenn in den verlassenen Gebäuden endlich wieder ein Licht brennt", erzählt Franz Lammer vom Organisationsteam.

Auch internationale Beispiele zeigen, dass Kunst und Kultur in postindustriellen Krisenregionen einen wichtigen Beitrag zu einer innovativen Entwicklung leisten können. In Eisenerz gab das Projekt "redesign" von Rainer Rosegger 2004 den Startschuss für die aktuelle Entwicklung, die eine nachhaltige Nutzung der bestehenden Infrastruktur statt ihren Abriss vorsieht.

Mit dem "Rostfest"-Konzept gelingt es den Organisatoren in Eisenerz immer wieder, namhafte Künstler anzulocken, die das Spiel mit den unbegrenzten Möglichkeiten reizt. Dabei kommen sie auf überraschende und auch originelle Ideen: So gibt es beispielsweise Radrennen im leeren Einkaufszentrum, einen "Schlagergarten" am Schichtturm, Musikbühnen in aufgelassenen Sälen, Experimente und Werkstätten, Diskussionen, Vernissagen. Gecampt wird in leer stehenden Wohnungen.

Die Bevölkerung ist weitgehend eingebunden und feiert gemeinsam mit den Gästen aus aller Welt: "Am Anfang waren wir skeptisch, aber so sind wir Eisenerzer eben. Jetzt freut sich die ganze Stadt aufs Fest, die jungen Leute sind ja immer so nett und endlich tut sich wieder was in unserer Stadt", erzählt eine ältere Dame, die gerade ein paar Hipster aus Berlin mit Kaffee versorgt.

"Es ist uns nie darum gegangen, hier eine Party zu schmeißen. Wir wollten von Anfang an die Bevölkerung einbinden und nachhaltige Impulse setzen. Dazu kommt, dass der Ort durch das Fest nach Jahren der Negativ-Meldungen auch wieder für positive Schlagzeilen gesorgt hat", erzählt Organisator Lammer. Nur eines irritierte die Einheimischen dann doch: "Es hat geheißen, dass Udo Jürgens singt, doch der ist schon seit Jahren tot", merkt ein Ehepaar im Trachtenanzug kritisch an. Am Fuße des Erzbergs sang am Abend dann der Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens.

zurück zu Seite 1




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-04 15:24:01
Letzte Änderung am 2018-09-04 16:04:36


Woher kommt der Ortsname?

Mit Weibern nichts am Hut

- © Gemeinde Weibern Erstmals genannt wurde der oberösterreichische Ort Weibern im Hausruckviertel in einer Urkunde von 785. Das Schriftstück existiert nicht mehr im... weiter




Woher kommt der Ortsname?

Wein statt Server

- © Gemeinde Mailberg Im Bezirk Hollabrunn liegt der kleine Ort Mailberg. Geprägt ist er vom Weinbau - nicht von elektronischen Nachrichten... weiter





Werbung




Werbung