• vom 10.10.2018, 09:00 Uhr

Stadt & Land


Kunststoffmüll

Die Stadt, in der das Plastik fehlt




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  • Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr hat sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: St. Valentin soll plastikfrei werden.

Zuerst die Gemeinde, dann Firmen und schließlich die Haushalte: St. Valentin will sich als plastikfreies Vorbild etablieren. - © Gemeinde St. Valentin.

Zuerst die Gemeinde, dann Firmen und schließlich die Haushalte: St. Valentin will sich als plastikfreies Vorbild etablieren. © Gemeinde St. Valentin.

St. Valentin. (rei) Aus den Medien wisse man inzwischen über die negativen Auswirkungen des vielen Plastikmülls Bescheid - über die gefährlichen gesundheitlichen Auswirkungen wie auch über die Auswirkungen von Plastikteilchen für Fauna und Flora. Um dem nicht weiter ohnmächtig gegenüberzustehen, hat die Bürgermeisterin der Stadtgemeinde St. Valentin in Niederösterreich ein Projekt ins Leben gerufen: Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ) will ihre Stadt plastikfrei machen.

Vergangene Woche hat der Gemeinderat eine Resolution beschlossen. In einem ersten Schritt wurde ein Leitfaden zur Vermeidung von Einweg-Kunststoff erstellt. Weil der Erfolg des Projekts schließlich auch von einem Umdenken der Bürger abhängt, geht die Gemeindeverwaltung selbst mit ihrem Beispiel voran. Bei öffentlichen Veranstaltungen werden beispielsweise Trink- oder Kaffeebecher durch plastikfreie Alternativen ersetzt.


Initiative will vor allem Diskussion bewirken
Der Start des Projekts ist nicht zufällig gewählt. "Vor kurzem haben wir im gesamten Bezirk Amstetten das Müllsystem umgestellt, von den gelben Zentralsammelstellen auf den ,gelben Sack‘, in dem nun jeder Haushalt den Plastikmüll separat sammelt", sagt die Bürgermeisterin. Das habe auch zur Folge, dass die St. Valentiner Bürger nun täglich sehen, wie viel Plastikmüll nur ein einzelner Haushalt pro Tag produziert. "Das ist erschreckend, was da zusammenkommt. Den Bürgern ist das Problem durchaus bewusst", so Suchan-Mayr.

Der zweite Schritt der Aktion ist bereits in Vorbereitung. In einem offenen Brief, der in den kommenden Tagen versendet werden wird, werden Gewerbebetriebe, Firmen und vor allem Handelsketten aufgerufen, sich der Aktion nach Kräften anzuschließen. "Es gibt freilich Grenzen, die beispielsweise Hygienevorschriften einfach vorgeben. Dennoch gibt es schon jetzt viele Möglichkeiten, wie Kunden beim Einkauf des täglichen Bedarfs auf Plastik verzichten können", sagt Suchan-Mayr. Supermärkte und Ketten sollen motiviert werden, so viele Waren wie möglich den Kunden in mitgebrachte Mehrweg-Gebinde abzugeben.

Dass die Aktion nur "der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein" sei, ist Suchan-Mayr bewusst. Der Bürgermeisterin geht es vor allem um Vorbildwirkung. Die Initiative ihrer Gemeinde soll eine Diskussion, im besten Falle eine Art Kettenreaktion auslösen. Schon jetzt hätten sich einige Bürgermeister bei ihr gemeldet, um ihr Interesse an der Aktion zu bekunden und sich zu informieren.

Fast eine Million Tonnen Kunststoffmüll
Ob wirklich jeder St. Valentiner Bürger glücklich mit der Aktion ist, werde sich zeigen. Bisher sind die Rückmeldungen aus der Gemeinde rundweg positiv. Laut der Studie Plastics Europe werden noch immer rund 30 Prozent des gesamten Kunststoff-Abfalls in der Europäischen Union auf Mülldeponien entsorgt. Fast eine Million Tonnen (genau 915.284 Tonnen) Kunststoffabfall kam laut Umweltbundesamt 2015 in Österreich zusammen. Mehr als die Hälfte davon (51 Prozent) produzieren die privaten Haushalte, gefolgt von der Land- und Forstwirtschaft (23 Prozent). Das Bundesumweltamt rechnet in einer Prognose bis 2021 mit einer weiteren Steigerung der Kunststoffabfälle um rund 10 Prozent.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-09 17:15:37
Letzte Änderung am 2018-10-09 17:28:36


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