• vom 16.01.2019, 09:00 Uhr

Stadt & Land


Ortsname

Keine Folter, wenige Äpfel




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  • Woher kommt der Ortsname Apfoltern?


© Rainbach im Mühlkreis © Rainbach im Mühlkreis

Ein kleiner Mühlviertler Ort und düstere Foltermethoden? Beim Ortsnamen Apfoltern kriechen Erinnerungen an die Zeit des Mittelalters hoch. Doch tatsächlich spielt ein Obst die Hauptrolle bei der Herkunftssuche.

Apfoltern ist eine von 13 Ortschaften der 2900 Einwohner großen Gemeinde Rainbach im Mühlkreis. Die Herkunft des Ortsnamens liegt jedenfalls nicht in mittelalterlichen Folterinstrumenten, sondern vielmehr im mittelhochdeutschen Wort für Apfelbaum begraben.


Bereits um 1100 begann die Rodung der Wälder und anschließende Besiedlung der Mühlviertler Gegend. Es entstand die Nord-Süd verlaufende "Salzstraße", die einst als Handelsweg nach Tschechien führte und wo sich heute die Bundestraße 310 entlangzieht. Zwischen den Jahren 1251 und 1270 finden sich erste urkundliche Erwähnungen der diversen Orte im Mühlviertler Gebiet, darunter auch das Dorf "Apphalter". Während des 13. Jahrhunderts wurde dieser Ort über mehrere Hände weitergereicht. So besaß es einmal ein Kloster, ein Landesfürst und auch eine Person namens "Apfolterer" soll Besitzer gewesen sein. Die Person könnte, wie die Siedler im Nachbarort Dreißgen, slawischer Herkunft sein. Wie die Urkunden bezeugen, wechselte die Schreibweise des Ortes "Apphalter" und "Appholtern" mehrmals, um 1356 verlor der Ortsname ein P und um 1590 hieß es "Apffaltern".

Mittelhochdeutsche Ableitung
Im Mittelhochdeutschen steht das Wort "Apfalter", das man vor rund 50 Jahre noch öfters hörte, für Apfelbaum. Es leitet sich aus dem althochdeutschen "affoltra" her und mit dem Zusatz "-lach", die Bezeichnung für Kollektive, wird der Apfelbaum zum Apfelbaumbestand "Apfoltrach". Obwohl es keine größeren Bestände an Apfelbäumen im Gebiet gab oder gibt, kommt laut Gemeinde der Name vermutlich vom Apfelbaum. So leitet sich auch "Kerschbaum", Nachbarort von Apfoltern, vom Kirschbaum ab.

Das Wort Apfalter prägte einige Ortsnamen in Berg- und Tallandschaften der Alpen. Häufig verweisen Historiker hier auch auf die keltische Gottheit Apfalter.

Der Kreislauf des Lebens
Nach den Kelten, die bekanntlich Flora und Fauna verehrten, tragen die Früchte des Apfelbaumes den Schlüssel zu ewigen Leben in sich. Der Apfelbaum, den der Heros im Namen trägt, ist damit Bildnis für den Kreislauf des Lebens und die Unsterblichkeit. Der Mythos um den keltischen Heros hält sich vor allem in den Ostalpen Österreichs aufrecht, wo sich zahlreiche Ortschaften mit Namensähnlichkeit finden lassen. Allerdings wird in ganz Europa die Legende des Apfel-Heros und mit vielen Namensvarianten erzählt.

Das Wappen erhielt die Gemeinde Rainbach, die erst 1985 das Marktrecht erhielt, im Jahr 1968. Auf grünem Hintergrund zeichnet sich ein goldenes, achtspeichiges Rad ab. Das Rad steht symbolhaft für die zwischen 1832 und 1872 betriebene Pferde-Eisenbahn - die erste öffentliche Eisenbahn am europäischen Kontinent. Die 129 Kilometer lange Schienenstrecke zwischen dem tschechischen Budweis über Linz nach Gmunden sollte den Salztransport der ehemaligen Salzstraße erleichtern, doch schon bald schloss man auch Personenkutschen an.

In der unteren Hälfte des Wappens ist ein goldenes Hufeisen zu sehen. Es steht allerdings nicht für das Glück der Gemeinde, sondern für den landwirtschaftlichen Charakter des Gebietes. Nach wie vor ist ein Drittel der 49 Quadratkilometer großen Fläche der Landwirtschaft gewidmet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-15 17:08:26
Letzte Änderung am 2019-01-15 17:20:09



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