• vom 15.05.2018, 13:12 Uhr

Stadt & Land


Schottwien

Das verpasste Attentat auf Napoleon




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  • Woher kommt der Ortsname?


© Gemeinde Schottwien © Gemeinde Schottwien

In Wien gibt es ein Schottenstift, eine Schottenkirche und die U-Bahn Stationen Schottentor und Schottenring. Die Verbindung von Wien und Schottland könnte man also in der niederösterreichischen Marktgemeinde Schottwien verankert sehen. Der Name hat allerdings eine ganz andere Herkunft.

Als Shadwin wurde der Ort im Bezirk Neunkirchen 1266 in der Leobner Chronik bezeichnet und spielt damit auf die geografische Lage an. Übersetzt bedeutet das so viel wie "Scheide des Wiener Einflussgebietes". Erwähnt wurde der Ort bereits 1094, allerdings unter dem Namen Clamme.


Im damaligen Gemeindegebiet befand sich die Burg Klamm und die Burgherren benannten das heutige Schottwien vermutlich nach sich selbst. Die bewegte Geschichte der Burg und die häufig wechselnden Besitzer sind mitunter der Grund, warum heute nur mehr eine Ruine davon übrig ist.

Um diese Zeit hatte der Ort vor allem für Reisende eine wichtige Bedeutung. Markgraf Ottokar III. errichtete 1160 einen Saumpfad, den heutigen Semmeringpass, zur Erleichterung des Handels- und Reiseverkehrs. Schottwien war vor allem für Italienreisende eine wichtige Etappenstation und Herbergeort. Ab Ende des 14. Jahrhunderts wurden erstmals Mautgebühren verlangt, die den Schottwienern eine wirtschaftliche Hilfe waren.

Zur Gemeinde gehört auch der Ort Göstritz, der mit der im Ort befindlichen Kirche Maria Schutz Bekanntheit erlangte. Erbaut wurde diese nach einer Pestepidemie, die Schottwien 1679 heimsuchte und viele Opfer im Ort forderte. Nach Abklingen der Seuche erbauten die Bewohner in Göstritz zum Dank die Maria Schutz-Kapelle, die 1728 durch die heutige Wallfahrtskirche ersetzt wurde. Das Ende der Epidemie wurde außerdem mit der Errichtung einer Dreifaltigkeitssäule gefeiert, die heute neben der Kirche steht.

Eine Geschichte, die man sich im Ort erzählt, hat einen prominenten Protagonisten. Niemand Geringerer als der französische Kaiser Napoleon Bonaparte hielt sich 1809 in Schottwien auf, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Die Franzosen hielten damals das Land besetzt. Zwei Bergleute planten angeblich, ihn beim Vorbeireiten zu erschießen. Dazu kam es allerdings nicht, weil Napoleon früher als geplant Rast machte und gar nicht bei seinen möglichen Mördern vorbeikam.

Abschwung durch Semmeringbahn
Der wirtschaftliche Aufschwung und die wirtschaftliche Niederlage liegen in Schottwien knapp 130 Jahre auseinander: 1728 wurde der damalige Saumpfad von Kaiser Karl VI durch eine Straße erneuert, daraufhin war Schottwien Mautstation, Bewirtungs- und Beherbergungsort in einem. Das hielt allerdings nicht lange an, denn 1854 wurde die Semmeringbahn eröffnet und im Ort, mit damals 15 Gasthöfen und Herbergen, kehrte Ruhe ein.

Einer dieser Gasthöfe war der Posthof, quasi das Weiße Rössl von Schottwien. Hier übernachteten bereits Maria Theresia, Papst Pius VI. und auch Napoleon. 1910 wurde der beliebte Beherbergungsort allerdings geschlossen, das Gebäude dient heute als Wohnhaus.

Ein beliebtes Ausflugsziel in Schottwien ist der Sonnwendstein, der mit seinem 1523 Metern einen Rundblick bis hin zum Neusiedlersee bietet. Am Gipfel findet sich auch eine kleine Bergkapelle, die in den 1930ern als Gedenkkapelle für die bei einem Autounfall tödlich verunglückte Ehefrau von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg gebaut wurde.




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Dokument erstellt am 2018-05-15 13:18:58


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